01.01.2026 | Du sollst den HERRN deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. 5. Mose 6,5
Das erste Gebot! Wir kennen es wahrscheinlich alle. Welche Monatslosung wäre wohl passender als diese Worte aus dem 5. Buch Mose? Gleich so, als wollen sie uns mahnen, vom ersten Tag an im neuen Jahr das Wichtigste auf dem Zettel zu haben: Gott zu lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
Diese Worte stehen im fünften und damit auch letzten Buch Mose. Es fühlt sich beim Lesen fast an, wie eine leidenschaftliche Abschiedsrede. Mose steht am Ende seines Lebens. 40 Jahre hat er das Volk Israel durch die Wüste geführt, nachdem der Pharao es endlich hatte ziehen lassen. Und Mose erinnert sich schmerzlich genau daran, wie oft das Volk Israel in dieser Zeit aufbegehrte gegen die Führungen Gottes. Gerade erst hat er auf dem Berg Horeb die 10 Gebote von Gott für sein Volk empfangen und wirbt nun leidenschaftlich dafür, dass sie sich daran orientieren mögen und sie als Richtschnur für ihr Leben verinnerlichen. Mose ermahnt sie deutlich zur Liebe und zum Gehorsam gegen Gott. Das Volk Israel steht kurz davor, das verheißene Land zu betreten. Eine neue Phase beginnt – ohne Mose. Denn er wird nicht mehr sehen, woran er so lange geglaubt hat. Und er weiß: Nicht Besitztümer, nicht Sicherheit und nicht äußere Ordnung werden das Volk Israel tragen – sondern allein seine Beziehung zu Gott.
Direkt vor dem 1. Gebot steht das „Schma Jisrael“ – das zentrale jüdische Glaubensbekenntnis, mit dem Mose das Volk Israel an das für sie Wichtigste erinnert: „Höre, Israel: Der HERR ist unser Gott, der HERR allein.“(5. Mose 6,4). Der eine, treue und rettende Gott. Der Gott, der sie aus der Sklaverei geführt hat. Der Gott, der mit ihnen durch die Wüste, ihre Zweifel und ihr Versagen gegangen ist. Die Liebe und der Gehorsam zu diesem Gott sind also keine Pflichtübung, sondern eine Antwort.
Weiterlesen
Lieben mit ganzem Herzen sollen sie, sollen auch wir Gott, heißt es im 1. Gebot. Unser Herz ist nicht nur der Ort der Gefühle, sondern der Ort unserer Entscheidungen. Gott lädt uns ein: Vertraut mir mit dem Zentrum eures Lebens. Unser Herz ist heute oft geteilt – zwischen Sorgen, Erwartungen anderer und Zukunftsängsten. Gott sagt nicht: „Sei perfekt“, sondern: „Bring mir dein Herz.“ Auch dein müdes, verletztes und verwirrtes Herz.
Aber nicht nur mit ganzem Herzen, sondern auch mit ganzer Seele und ganzer Kraft sollen wir Gott lieben. Die Seele umfasst unser ganzes Leben, ist quasi unsere Identität. Gott möchte also nicht nur sonntags einen kleinen Teil unseres Lebens einnehmen, sondern er will uns ganz – mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Sowohl die Höhen als auch die Tiefen unseres Lebens. Auch unsere Fragen. Auch unsere Schwächen. Auch die Phasen, in denen unser Glaube leise geworden ist. Liebe zu Gott bedeutet, mein Leben offen vor ihm zu halten, meine Zeit, Fähigkeiten, Worte und Entscheidungen für ihn und seine Sache einzusetzen. Gottes Liebe will nicht nur gedacht, sondern gelebt werden. Im Kleinen. In Treue.
Im 5. Buch Mose wird immer wieder deutlich: Das Gesetz ist kein Mittel, um Gott zu gewinnen. Es ist ein Weg, in der Beziehung zu ihm zu bleiben, die wir so sehr brauchen – heute mehr als je zuvor. Immer wieder erinnert Mose: Vergesst nicht, was Gott für euch getan hat. Liebe wächst aus Erinnerung. Wer Gottes Treue vergisst, verliert, glaube ich, die Kraft zur Liebe.
Fast 1500 Jahre später wird Jesus einmal von einem Schriftgelehrten gefragt: „Was ist das höchste Gebot?“ Und Jesus antwortet ihm genau mit dem Vers aus unserer Monatslosung, dem 1. Gebot : „Du sollst den HERRN deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“
Jesus selbst stellt also auch Jahrhunderte später den einen Gott ins Zentrum jedes Menschen Lebens. Und er tut mehr, als dieses Gebot zu zitieren. Er lebt es selbst. Er lebt uns vor, was es heißt, Gott ins Zentrum unseres Lebens zu stellen und in der Beziehung zu ihm zu bleiben.
Jesus liebt den Vater mit ganzem Herzen – im Gehorsam bis ans Kreuz.
Er liebt ihn mit ganzer Seele – indem er unser Menschsein teilt.
Und er liebt ihn mit ganzer Kraft – indem er sein Leben für uns hingibt.
Wo wir an diesem Gebot scheitern, erfüllt Christus es für uns. Das ist die gute Nachricht. Unsere Beziehung zu Gott gründet nicht auf unseren Versuchen, ihn zu lieben, sondern auf seiner vollkommenen Liebe zu uns. Denn Liebe zu Gott beginnt nicht mit unserer eigenen Anstrengung, sondern mit seiner Gnade. „Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. …“Eph. 2,8 schrieb einst auch Paulus an die Gemeinde in Ephesus.
Gott kennt deine Lebenssituation sehr genau. Deine Müdigkeit. Deine Zweifel. Deine Sehnsucht. Und er lädt dich ein: Komm mit dem, was da ist. Liebe zu Gott wächst nicht auf Knopfdruck, sondern in der Beziehung zu ihm. Denn der HERR, dein Gott, ist derselbe – gestern, heute und in Ewigkeit. Und seine Liebe trägt dich, auch dann, wenn deine eigene gerade schwach ist.
Räumen wir ihm, dem HERRN unserem Gott, also gleich zu Beginn des neuen Jahres die erste Stelle in unserem Leben ein, den Platz, der allein ihm gebührt.
Gedanken zur Monatslosung von Antje Behr