Andacht - 31.08.2020

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Gedanken zum 12. Sonntag nach Trinitatis, 30.8.2020, Pfrin. K. Kowalski

 

1. Kor 3, 9-17

 9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. 10 Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. 11 Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, 13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. 14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. 15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch. 16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? 17 Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.

Ich habe Ihnen heute ein Bild mitgebracht. Wer in den 70ern Kinder großgezogen hat, der kennt es vielleicht: das ist Schnuddelbuddel mit seinem Haus, von Janosch. Schnuddelbuddel beschließt eines Tages, er möchte ein Haus bauen. Und er fängt einfach an: ein Wohnzimmer, ein Zimmer zum Malen, eines für den Vogel, eines für das Pony, ein Klavierzimmer – eines kommt zum anderen und immer noch was drauf. Was am Ende passiert, können Sie sich vorstellen. Genau, alles fällt um. Für Schnuddelbuddel keine große Katastrophe, er zieht in das Zimmer ein, das noch steht. Das Haus von Schnuddelbuddel sehen wir hier – in Auszügen.

Ums bauen geht es heute auch in den uns aufgetragenen Gedanken von Paulus: das Haus des Glaubens wird gebaut. Und da kann man von Schnuddelbuddel einiges Lernen. Zum Beispiel, das einfach Anfangen: Schnuddelbuddel mach keinen Bauplan, er legt einfach losl baut, so, wie er sich sein Traumhaus vorstellt.

Abgesehen von der Ästhetik und davon, dass dieses Haus bestimmt nicht jedem gefällt, werfen da natürlich Statiker, Architekten und mancher, der was vom bauen versteht, die Arme hoch: die Regeln werden nicht beachtet! Liegen die Sanitär- und Küchenräume auch alle übereinander, wegen der Leitungen? Schaut das Wohnzimmerfenster nach Süden? Wieso ist das Pferdezimmer im 3. Stock? Schnuddelbuddel beachtet keine Regel, keine Baurichtlinie, keine Prinzipien des gelingenden Planens. Er baut. Das, was er braucht und so, wie es ihm gefällt.

Wie sehr eünsche ich mir das manchmal für viele Menschen, denen cih begegne: wie ist denn das mit Gott jetzt genau? Wie muss ich mir den vorstellen? Wie mache ich es richtig mit ihm, damit ich am Ende dann gut da stehe und keinen Fehler zugeben muss?

Glauben nach Richtlinien und Erfolgsrezepten, nach Vorgaben und mit Garantie. Wenn es doch so einfach wäre.....

Dabei ist es viel einfacher: Paulus wäre wohl begeister von diesem Phantasiehaus von Schnuddelbuddel, weil es genau dem entspricht, was er seiner Gemeinde in Korinth rät: baut euren Glauben selbst, baut ihn so, wie ihr ihn braucht, individuell, jeder nach seinem Lebensgeschmack: Holz, Silber, Stroh ud Gold: ihr könnt verbauen, was ihr wollt, Pferdezimmer, ein Flur für Krisen, eine Dunkelkammer und helle Balkone – alles ist erlaubt, sogar mit Rutsche, wenn´s sein soll. Hauptsache, ihr baut an eurem Glaubenshaus.

Nur eines muss bitte stimmen und bei alen gleich sein: das Fundament. Christus, der Sohn Gottes, der, der uns die Liebe schenkt für jeden Tag des Lebens. Der soll die Grundplatte sein. Die Basis. Das, was alles andere trägt: wer sein Haus des Glaubens auf Christus baut, der baut sicher und stabil.

Hier ist der Unterschied zu Schnuddelbuddel, der bei seinem Planen kein echtes Fundament hat, nur seine Fantasie. Paulus gibt uns einen Grund mit. Baut mit und bau auf Christus: fasse deine Erfahrungen mit ihm in Weisheit, mach dir aus dem, was du mit Christus und mit Gott erlebst, dein persönliches Glaubenshaus. Darin wirst du gut und sicher wohnen, weil es zu dir passt. Und weil du die Liebe Gottes darin so spüren kanst, wie du sie brauchst. Wenn wir unsere Gotteserlebnisse nicht verschämt wegstecken, sondern sie für uns deuten, für uns daraus ableiten, wie Gott ist, wie ein Leben als sein Kind aussehen kann, dann haben wir ein Zuhause für usnere Seele. In den Zimmern, die wir gemeinsam mit Gott für uns bauen.

Theresa von Avila hat das genauso gesehen: für sie war der Gedanke an Gott ubd seine Zuwendung wie eine Burg, die ihre Seele bschützt: jeder trägt diese Burg in seinem Herzen, sie hilft uns, alle Zeiten des Lebens gemeinsam mit Gott zu bestehen.

Gott will in euch wohnen, ihr seid seine Tempel: so deutlich scileßt Paulus seinen Gedanken. In welches Haus zieht Gott wohl gerne ein? Wie muss es gebaut sein? Was ist ihm wichtig?

Für diese Fraghe gibt es jedoch keine Baurichtlinie, in der man nachlesen kann. Es gibt unsere eigenen Erfahrungen, unsere Ideen, unsere individuellen Lebensläufe: sie sind der Bauplan für jedes Haus Gottes, das auf dieser Erde lebt. Wohnqualität im Sinne von Granitfußböden und freistehender Badewanne sind da nicht wichtig. Wichtig ist nur das Fundament: bauen wir auf Christus? Lassen wir uns ein auf diese geschenkte grundplatte, die usner Haus zu einem ganz besonderen macht?

Ihr seid die Diener und das Haus! Sagt Paulus. Baut nur, es wird gut gehen.

Nehmen wir uns ein beispiel an Scnuddelbuddel: einfach anfangen – und immer, wenn wir ein neues Zimmer brauchen, setzen wir es dran. Es wird ein gutes Haus werden, unser persönliches Haus Gottes. Amen.

 


Klaus M. Kowalski, freie Choralimprovisation zu  Wo Menschen sich vergessen  -  W. Sauer-Orgel, Michaeliskirche zu Leipzig


 

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