Andacht - 31.01.2021

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31.01.2021

Mt 17,1-9P

Predigt zum Evangelium (Die Verklärung Jesu)

Liebe Gemeinde,

wann waren Sie das letzte Mal auf einem richtig hohen Berg? Der Aufstieg ist lang und steil. Am Anfang schlängelt sich die Straße noch in Serpentinen dahin, dann irgendwann ist es vielleicht nur noch ein schmaler, steiniger Pfad bis man am Gipfel angekommen ist. Dort wird die Anstrengung und die Mühe dann belohnt: Frische, klare Luft, ein weiter Blick in die ferne Landschaft und völlige Ruhe. Keine Abgase, kein Starren in den Bildschirm und kein Geschrei. Dort lässt es sich gut aushalten! Auf diesem Berg hat man das Gefühl weit weg vom Alltag zu sein.

Wie schön ist diese Vorstellung gerade heute, in unserer Zeit! Einmal kurz aus unserem Alltag ausbrechen, der für die einen von Homeoffice, Homeschooling und Stress und für die anderen von Einsamkeit und der Enge des Zuhausebleibens geprägt ist.

Im Evangelium für den heutigen Sonntag nimmt Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit auf einen hohen Berg. Er führt sie an einen besonderen Ort, denn Berge sind in der Bibel Orte der Gottesbegegnung. Mose erhält auf einem Berg die 10 Gebote von Gott. Dem Propheten Elia begegnet Gott auf einem Berg in einem leisen Säuseln und Jesus hält dort eine seiner berühmtesten Predigten. Auch in dieser Geschichte machen Menschen göttliche Erfahrungen auf einem Berg. Petrus, Jakobus und Johannes dürfen in einer Vision etwas von der Herrlichkeit Jesu sehen. Sie sehen Mose, der das Gesetz übermittelt hat, Elia, den größten der Propheten und Jesus, der alles zusammen ist: Gesetz, Prophet und Retter. Gott bestätigt damit die wahre Identität von Jesus. Er ist der Christus. Der Messias, der das Gesetz erfüllen soll und dessen Kommen die Propheten vorausgesagt haben.

Petrus, der ja oft etwas vorschnell und impulsiv handelt, möchte diesen Moment festhalten. Er will für jeden eine Hütte bauen, sesshaft werden, dortbleiben, nicht mehr zurück in den Alltag. Auf dem Berg ist es schön. Hier spürt er Gottes Gegenwart. Hier lässt es sich gut aushalten. Doch das geht nicht. Gotteserfahrungen kann man nicht festhalten. Man kann nicht in ihnen verharren. Irgendwann muss man wieder den Berg der Gottesbegegnung hinabsteigen und im Alltag ankommen.

Wir dürfen aus unserem Alltag ausbrechen und uns, wie die Jünger, von Jesus auf einen Berg führen lassen. An einen Ort der Gottesbegegnung. Vielleicht ist das die Kirche, vielleicht aber auch der bequeme Sofasessel oder ein besonderer Ort in der Natur. Wir dürfen uns auf unserem persönlichen „Berg der Gottesbegegnung“ eine Zeit lang über den Wolken befinden, wo die Freiheit ja bekanntlich grenzenlos sein soll. Aber wir müssen diesen besonderen Ort der Begegnung auch wieder verlassen. Vom Berg hinuntersteigen in unseren Alltag. Hinuntersteigen in die Tiefe. Vielleicht auch in so manche Tiefe unseres Lebens.

In der Geschichte sehen wir: Jesus führt die Jünger mit auf den Berg und er geht auch wieder mit ihnen hinunter. Er bleibt nicht oben, dort wo es schön und besonders ist. Er geht mit ihnen wieder in ihren Alltag und in so manche Tiefe, die auf sie zukommen wird, von der sie noch gar nichts ahnen.

Sie gehen nicht nur von Jesus begleitet, sondern auch von der Stimme Gottes, die sie noch im Ohr haben: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Freude habe.“ Dieser Satz ist den Jüngern nicht unbekannt. Bereits bei der Taufe von Jesus haben sie ihn gehört. Damals war es der Startschuss für sein Handeln. Und jetzt? Was kommt jetzt?

Ebenso begleitet sie der Auftrag, den sie mit in ihren Alltag nehmen sollen: „Hört auf ihn!“ Hört auf Jesus! Hört auf das, was er sagt!

Zuhören: Das ist gar nicht so leicht. Gerade in unserer Zeit gibt es doch so einiges, was wir Gott sagen wollen, worüber wir uns bei ihm beschweren wollen, worüber wir klagen möchten und vielleicht auch, wofür wir dennoch dankbar sind. Das können und sollen wir auch tun, doch gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, auf Gottes Stimme zu hören.

Darum dürfen Sie jetzt eine Gebetsstille halten, in der Sie auf Jesus hören. Auf der Rückseite finden Sie Jesusworte. Nehmen Sie eines dieser Worte mit hinein in die Stille und tun Sie nichts weiter, als auf dieses Wort zu horchen. Das Wort macht etwas mit Ihnen. Wenn Sie möchten, machen Sie sich dazu ruhige Musik an.

Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch liebe. (Johannes 15,12)

In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. (Johannes 16,33)

Jesus blickte sie an und sagte: "Für Menschen ist das unmöglich, nicht aber für Gott. Für Gott ist alles möglich." (Markus 10,27)

Kommt alle zu mir, die ihr geplagt und mit Lasten beschwert seid! Bei mir erholt ihr euch. (Matthäus 11,28)

Ihre Anna-Lena Enser

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