Andacht - 30.10.2020

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Markus 2, 23–28

23 Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. 24 Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? 25 Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: 26 wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? 27 Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. 28 So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

Es gibt mal wieder Ärger mit Jesus: Wer öfter mal im Neuen Testament stöbert, für den ist das nichts Neues: immer wieder geraten Jesus und seine Freunde mit den jüdischen Gelehrten aneinander – weil sie irgendwas nicht so machen, wie es sein soll. Heute arbeiten sie am Sabbat. Die Freunde von Jesus holen sich Körner aus einem Getreidefeld, weil sie Hunger haben. Für den konsequenten jüdischen Gelehrten verstößt das gegen das Gebot, man solle am Sabbat Ruhe halten und nichts tun, was nach Arbeit aussieht.

Mit Regeln ist das so eine Sache, wir erleben in diesem Jahr selbst, wie heftig Regeln sich plötzlich in unser Leben drängen können, aber auch schon vor der Pandemie mussten wir oft entscheiden: folge ich der Regel, oder nicht? Parkschein ja, oder nein? Ehrlich bleiben, oder doch lieber die Ausrede benutzen? Bei Mensch-ärgere-dich-nicht in die andere Richtung laufen? Da gibt es unendlich viele Beispiele.

Die meisten von uns mögen Regeln nicht so. Zum einen muss man immer mit irgendeiner Konsequenz rechnen, wenn man sie bricht: irgendjemand ist immer sauer, im schlimmsten Fall die Menschen, die mir eigentlich wichtig sind.

Und außerdem engen Regeln uns manchmal ganz schön ein. Das, was ich vielleicht jetzt gerne möchte, geht nicht, wegen der Regel. Die Freunde von Jesus haben Hunger, es gibt am Sabbat aber nichts zu kaufen – was sollen sie tun? Der ohne Zweifel echt gute Tipp, dass sie das gestern schon hätten wissen können, und vielleicht vorsorgen, macht sie jetzt auch nicht satt.

Und dennoch: auf den ersten Blick muss man den jüdischen Gelehrten recht geben: die Regel, am Sabbat nicht zu arbeiten, die gibt es ja aus gutem Grund. Nach sechs Tagen Arbeit an der Schöpfung ruhte Gott und freute sich an seinem Werk. Dieser Rhythmus wurde dann auch seinem Volk aufgetragen: sechs Tage arbeiten, ein Tag Pause; er wurde übertragen auf die Landwirtschaft: nach sechs Jahren soll ein Feld ein Jahr brach liegen, damit der Boden sich regeneriert. Die Pause, der Abstand vom Alltag, dass man einen Tag sein Werkzeug nicht in die Hand nimmt, sondern sich daran freut, ein Kind Gottes zu sein: Das ist die Idee hinter dem Sabbat. Und die ist eigentlich gut. Wann sonst hat man unter der Woche Zeit für solche Gedanken?

Wann sonst kommen wir so zur Ruhe, dass wir unsere Seele wirklich mal baumeln lassen? So ein Sabbat-Tag ist wirklich eine gute Idee, man sollte ihn achten. Bei uns ist übrigens der Sonntag dieser siebte Tag, der mit der Pause. Aber das heute nur am Rande.

Die Freunde von Jesus haben jetzt das Problem: wenn sie nicht irgendwie die Regel brechen, werden sie den ganzen Tag Hunger haben. Ein unangenehmer Ausblick, das kennen wir alle, denke ich.

Ist also das Bedürfnis, den Hunger zu stillen, mehr oder weniger wert als die Regel des Sabbat? Deutlicher gesagt: Gott ehren oder etwas zu essen haben?

Jesus zeigt, was er kann. Nicht nur Wunder vollbringen, die uns heute manchmal staunen und manchmal zweifeln lassen. Die Stärke von Jesus liegt darin, in alten Traditionen neue Wege zu finden. Nicht das starre Befolgen dieser Regel ist für ihn ein Ausdruck der Liebe Gottes, sondern, dass seine Menschen in diesem Tag, der Gott gehört, Gott auch finden. Wenn es schon einen Tag gibt, der dem Nachdenken über Gott, dem Gebet, der Besinnung, dem eigenen Glauben gewidmet ist, dann soll der Glaube an diesem Tag auch gepflegt werden. Und das geht mit einem knurrenden Magen nicht so gut.

Regeln sind nicht dazu da, um uns das Leben schwer zu machen. Meistens haben sie ja einen Grund. Und den sollen wir jedes Mal wiedererkennen: guten Ton wahren, um Respekt zu leben; Parkschein ja, denn wir nutzen ja die Straßen, die erhalten werden müssen; alle Figuren laufen in eine Richtung, damit das Spiel fair bleibt; der Ruhetag soll uns die Beziehung zu Gott zurückbringen.

Wenn wir uns diesen Grund klarmachen, dann können wir so eine Regel vielleicht anders verstehen: als Anstoß: muss das jetzt und heute so sein? Muss ich es wirklich anders machen, oder bin ich gerade zu bequem, zu sehr von mir selbst überzeugt, zu egoistisch?

Jesus verlangt Ehrlichkeit: nur, wenn dein Bedürfnis dich wirklich daran hindert, die Regeln einzuhalten, dann darfst du sie brechen.

Sich hungrig auf Gott zu besinnen, das ist sehr schwer. Es gibt im Neuen Testament noch andere Beispiele, an denen Jesus diese Idee darlegt. Manche sind deutlicher.

Doch für uns bleibt dabei etwas hängen. Zum einen die Frage: wie beurteile ich Regeln, besonders die Gebote Gottes? Bin ich bereit, sie als Stütze und Brücke zum Nachdenken zu verstehen, kann ich ihnen auf den Grund gehen? Bin ich dazu bereit? Als Christen sollten wir das sein.

Und zum anderen: Gottes Liebe erlebe und zeige ich nicht, indem ich eine Regel nur erfülle. Gott möchte, dass ich dahinterstehe. Und wenn das nicht geht, darf ich guten Gewissens meinen Weg mit Gott gehen. In dem Bewusstsein, dass unsere Beziehung stimmt.

Ich wünsche Ihnen in der kommenden Zeit, die sicher nicht einfach wird, dass Ihre Beziehung stimmt. Und wenn es noch nicht so klappt, helfen vielleicht – Regeln: ein Gebet am Tag, einmal in der Woche eine Pausenzeit in einer Kirche, einmal einen Psalm lesen.

Denn: der Ruhetag ist für den Menschen da. Um Gott zu finden. Amen.

 

Gebet

Führe mich, o Herr,

und leite meinen Gang nach deinem Wort. Sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als bei dir allein kann ich recht bewahret sein.

Amen.

Seien Sie behütet,

Ihre Pfarrerin Kerstin Kowalski

 

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