Andacht - 30.06.2020

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Die Greiffenberger Friedensglocke

11 Zentner Sehnsucht Heimat, unter diesem Titel konnten Sie den Pressebericht zur Ausstellung im Fränkischen Tag finden. Damit ist das größte Ausstellungsstück aufgenommen, die Greiffenbergglocke. 

„Sende uns Frieden“ diese Worte sind in der Greiffenberg- glocke eingegossen. Deshalb wird sie auch Friedensglocke genannt. Als ich auf die Ausstellung aufmerksam wurde, dachte ich schon gleich, wir müssten sie hier zeigen.

Das Ankerzentrum, in dem seit 2015 über 1200, manchmal über 1400 Flüchtlinge untergebracht sind, liegt in unserem Gemeindegebiet. Es wurde als Erstaufnahmeeinrichtung konzipiert, in der alle Behörden vor Ort sind. Dort sind vor allem Flüchtlinge untergebracht, die - wie es im Verwaltungsdeutsch heißt – eine geringe Bleibeperspektive haben, und von denen eine große Zahl abgeschoben wurde oder von Abschiebung bedroht ist. Manche sind schon seit Jahren heimatlos. Einige entscheiden sich für eine freiwillige Rückkehr und andere wandern weiter in andere europäische Länder. Manche tauchen unter in die Illegalität. Manche bekommen ein Bleiberecht oder einen Flüchtlingsstatus zuerkannt.

Viele Flüchtlinge leben heute unter uns, gehen einer Ausbildung nach oder ihrem Beruf. Und sie bereichern unser Land und unsere Gesellschaft und bringen sich selbstverständlich ein.

Unsere Kirchengemeinde ist entstanden, weil nach dem 2. Weltkrieg viele Flüchtlinge nach Bamberg kamen, viele Evangelische waren darunter.

Menschen haben mir von ihrer Geschichte erzählt:

Dass sie aus einer Flüchtlingsfamilie kommen, dass ihre Familie aus Pommern oder aus Ostpreußen, aus dem Sudetenland oder aus Schlesien stammt.

In der Festschrift der Auferstehungskirche habe ich von der besonderen Geschichte der Greiffenbergglocke gelesen.

Als ich herausfinden wollte, wo nun eigentlich dieser Ort Nieder-Wiesa bei Greiffenberg liegt, habe ich noch etwas Interessantes herausgefunden.

Im Februar 1654 wurde den Bewohnern Greiffenbergs evangelischer Konfession verboten, der Lehre Luthers in der Greiffenberger Pfarrkirche zu folgen.

In den Jahren 1668-1669 erbauten sie deshalb ihre Kirche auf dem sächsischen Boden, auf der anderen Seite des Grenzflusses Queis.

Ein Baugrundstück tritt ihnen Herr auf Tschocha Christoph von Nostiz in dem Teil seines Dorfes Wiesa ab, der seit dieser Zeit Nieder-Wiesa heißt. Die Einwilligung, eine Kirche zu bauen, und den Schutz vor religiöser Verfolgung erteilte ihnen der sächsische Kurfürst Johann Georg II. Die Kirche wurde zunächst aus Holz, 1734 massiv erbaut.

Diese Grenzkirche galt als Zufluchtkirche und bot schlesischen Evangelischen aus breitem Umkreis die Möglichkeit, ihren Glauben zu praktizieren.

Heute ist die Religionsfreiheit Bestandteil unserer Verfassung.

Heute haben wir die christlichen Konfessionskriege hinter uns gelassen. Sie gehören zur Geschichte Europas, an die wir mahnend erinnern: Wie viele Menschen wurden in dieser Zeit ihres Lebens beraubt, wie viele wurden aus ihrer Heimat vertrieben.

Die Greiffenberg-Glocke wurde 1850 gegossen und der evangelischen Kirche in Nieder-Wiesa übergeben. Sie musste im Krieg für die Waffenindustrie abgegeben werden und blieb in Hamburg auf einem Glockenfriedhof liegen. Sie kam zunächst nach Idstein im Taunus und dort wurde sie von ehemaligen Greiffenbergern entdeckt und in Verhandlungen zwischen den Landeskirchen konnte erreicht werden, dass die Glocke 1955 hier nach Bamberg kam und zur Einweihung der Kirche am 17. Juni 1956 zum ersten Mal hier läutete.

Und noch eine Besonderheit: Hier sagt man, weil ja St. Kunigund keine eigenen Glocken hat, wir läuten für St. Kunigund mit. So ist sie wirklich eine Friedensglocke.

Und sie heißt auch Hoffnungsglocke.

Sie trägt den Spruch: „Lasset uns halten am Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken, denn er ist treu, der sie verheißen hat (Hebräer 10,23)“. Nichts als Hoffnung im Gepäck, so haben es viele Flüchtlinge durchlebt. Sie brauchen unsere Unterstützung. Sie brauchen Menschen, die sich für sie einsetzen und sie begleiten. Sie brauchen unseren Respekt. Amen. 

    Bleiben Sie behütet!  Ihre Pfarrerin Doris Schirmer-Henzler

 

Kleines Senfkorn Hoffnung (zum Mitsingen)

1. Kleines Senfkorn Hoffnung – mir umsonst geschenkt -

werde ich dich pflanzen, dass du weiterwächst,

dass du wirst zum Baume, der uns Schatten wirft.

Früchte trägt für alle, alle, die in Ängsten sind.

 

2. Kleiner Funke Hoffnung – mir umsonst geschenkt –

werde ich dich nähren, dass du überspringst.

dass du wirst zur Flamme, die uns leuchten kann. –

Feuer schlägt in allen, allen, die im Finstern sind.

 

3. Kleine Münze Hoffnung – mir umsonst geschenkt –

werde ich dich teilen, dass du Zinsen trägst.

dass du wirst zur Gabe, die uns leben lässt. –

Reichtum, selbst für alle, alle die in Armut sind.

 

4. Kleine Träne Hoffnung – mir umsonst geschenkt –

werde ich dich weinen, dass dich jeder sieht,

dass du wirst zur Trauer, die uns handeln macht, –

leiden lässt mit allen, allen, die in Nöten sind.

 

5. Kleines Sandkorn Hoffnung – mir umsonst geschenkt –werde ich dich streuen, dass du manchmal bremst,

dass du wirst zum Grunde, der uns halten lässt. –

Neues wird mit allen, allen, die in Zwängen sind.

Gebet: Aus Frieden geboren (Tina Willms)

 

Verwundbarer, wunderbarer Gott,

führ uns wieder und wieder

die Bilder deines Friedens vor Augen:

 

Kinder lernen den Krieg nicht mehr,

Löwe und Lamm liegen beieinander

Und Schwerter werden zu Pflugscharen gemacht.

 

Schenk uns Fantasie,

wie wir Frieden lernen und lehren,

wie wir Feinde zu Freunden machen

und Waffen umschmieden

zu Werkzeugen für das Leben.

 

Gib uns Beharrlichkeit,

wenn wir für verrrückt erklärt werden

oder als träumende Spinner verworfen werden.

Stärke in uns die Hoffnung,

dass Frieden aus Frieden geboren wird und nicht aus Krieg.

 

Bevor wir dazu einladen, gemeinsam das Vaterunser zu beten, und mit dem Lied aus Israel in vielen Sprachen unseren Friedenswunsch weitergeben, wollen wir einen Moment innehalten:

Sende uns Frieden! Mit der Greiffenberg-Glocke wollen wir unsere Friedensbitte hinaus-schicken, in unsere Häuser und Familien, in unsere Stadt und unser Land, mit seinen so unterschiedlichen Menschen. Sende uns Frieden!

 

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