Andacht - 29.03.2020

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Gedanken für den Sonntag Judika, 29.03.2020

Wochenspruch aus Matthäus 20,28:

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“

 

Liebe Gemeinde,

über unsere Website erreicht Sie heute mein Gruß. In diesen Tagen müssen wir Abstand halten, um andere und uns selbst zu schützen.

Wie verletzlich wir sind in unseren persönlichen und gesellschaftlichen Sicherheiten wird uns in dieser Ausnahmesituation bewusst.

Viele Menschen spüren in diesen Tagen ihre Einsamkeit besonders.

Und gleichzeitig gibt es viele Angebote der Unterstützung und der Hilfe.

Ich möchte mit Ihnen in dieser Zeit suchen was unseren Glauben nährt.

 

Ich lade Sie ein, mit mir einen Weg zu gehen:

Wer eine Reise nach Israel unternimmt und auch nach Jerusalem kommt, der wird dort die Wege Jesu nachspüren, die uns die Passionsgeschichten der Evangelien überliefern.

Die Via Dolorosa, den Weg der Schmerzen, den Leidensweg Jesu möchte ich in Gedanken mit Ihnen gehen:

 

An den Fuß des Ölbergs werden wir geführt, in einen Olivengarten außerhalb der alten Stadtmauer Jerusalems. Dorthin ging Jesus am Abend nach dem gemeinsamen Mahl mit seinen Jüngern. Dort betet er und sucht Gott: „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe“ (Lukas 22,42)

 

Dann führt uns der Weg durch die Altstadtgassen hindurch zum Berg Golgatha, der Hinrichtungsstätte Jesu.

In Jerusalem mag es besonders eindrücklich sein, die Kreuzwegstationen nachzugehen. Wir können das auch tun, wenn wir uns auf den Weg machen, wenn wir an Jesu Leiden denken und an das Leiden so vieler Menschen.

 

Im Predigttext für den Sonntag Judica werden wir an den Leidensweg Jesu erinnert: „Jesus hat, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.
So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebräerbrief 13,12-14)

 

Seit Jesu Leiden und Sterben braucht es keine Opfer mehr um Gott gnädig zu stimmen. Der Hebräerbrief erinnert an das Versöhnungsfest, an dem in alter Tradition im Tempel durch die Priester Tiere geopfert wurden: Wie die Opfertiere hinausgeschafft wurden, so wurde Jesus, der unter der Last des Kreuzes zusammengebrochen war, zur Stadt hinausgeschleift.

Dort kreuzigte man ihn. Die tiefste Gottverlassenheit hat er durchlitten. „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ betet er. Jesus starb nicht nur räumlich gesehen vor den Toren der Stadt. Er war tatsächlich der Ausgestoßene, der Gottverlassene.

 

Dieses Lamm sehen wir außen an der Ostseite unserer Auferstehungskirche hoch oben in Stein gehauen, mit einer goldenen Fahne als Zeichen der Auferstehung.

 

Draußen vor dem Tor musste Jesus leiden, doch Gott scheint stumm zu bleiben.

Wer kann es schon aushalten, kann standhalten, angesichts solcher Trauer, solcher Schmerzen. Sprachlosigkeit ergreift uns an der Seite eines Sterbenden. Sorge und Angst legen sich auf unser Land, wenn mit allen Mitteln versucht wird, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

 

Ich denke an die Kranken und Sterbenden und ihre Angehörigen.

Ich denke an Ärzte, Krankenschwestern und Krankenpfleger, Mitarbeitende in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

Und ich möchte die nicht vergessen, die an anderen Orten heute leiden. Besonders denke ich an die Menschen, die an den Grenzen Europas ge­stran­det sind, an die schreckliche Situation an der griechisch-türkischen Grenze.

Ich denke an die Menschen in den Flüchtlingslagern in Idlib in Syrien, deren Leben bedroht ist.

Ich denke an die Geflüchteten in Moria auf Lesbos, die in menschenunwürdige Lebensbedingungen geraten sind.

 

Im Glauben finde ich Kraft, die Augen nicht zu verschließen vor dem Leiden und den Schmerz, die Menschen aushalten müssen.

In der Passionszeit verbindet sich beides: Da ist das Leiden des Jesus von Nazareth und da ist das Leiden der Vielen. Jesus hat am eigenen Leib Leid aushalten müssen, er leidet mit den Vielen mit, die ihren persönlichen Leidensweg gehen müssen.

Jesus schenkt uns den Frieden mit Gott. Durch ihn haben wir Anteil an der Versöhnung. Durch ihn bekommen wir die Kraft, hinauszugehen und selbst zu Botinnen und Boten seines Friedens zu werden!

Jesus ist das Lamm, das der Welt Sünde trägt.

 

Am Mittag um 12 und am Abend um 19 Uhr gehe ich, wenn die Glocken läuten hinüber in unsere Auferstehungskirche, für einen Moment der Stille, für mein persönliches Gebet. Es ist schön zu wissen, dass viele zu Hause um diese Zeit mitbeten.
Mir hilft es um zur Ruhe zu kommen in dieser angespannten Zeit.

 

Ich wünsche Ihnen diese innere Kraft, und ich wünsche Ihnen die Unterstützung und Hilfe, die Sie in diesen Tagen für sich und ihre Familie brauchen.

 

Auch wenn wir in diesen Tagen nicht zusammen Gottesdienst feiern können, unser Glaube bekommt Nahrung durch Bibelworte und Liedverse.

Gerade in diesen Tagen dürfen Sie das spüren:

Bleiben wir verbunden in dieser Hoffnung und Zuversicht, die der Glaube schenken kann.

 

Seien Sie behütet!                   Ihre Pfrn. Doris Schirmer-Henzler.

Jesus, unsere Hoffnung, in dir finden wir den Trost, mit dem Gott unser Leben überfluten kann, und wir begreifen, dass wir dir im Gebet alles überlassen, alles anvertrauen können.                    Gebet aus Taizé

 

Gebet

 

In einer fernen Zeit bist du nach Golgatha gegangen, Jesus,

du hast Einsamkeit erduldet und zu Leiden und Sterben Ja gesagt.

Diese Zeit kommt uns näher, als es uns lieb ist.

Wir erfahren Angst und Verlassenheit wie du.

Bleib uns nahe.

 

Von Gott und den Menschen verlassen stirbst du am Kreuz, gibst dein Leben für uns.

Diese Zeit bringt uns die Einsamkeit näher, aber auch die liebevolle Zuwendung mit allen Mitteln, die uns möglich sind.

Wir bitten Dich: Stärke die, die jetzt stark sind für andere,

komm zu allen, die durchtragen und aushalten helfen,

die Kranke pflegen und Sterbende begleiten,

sich um andere kümmern.

 

Ich lege vor dich die Namen derer, von deren Sorgen und Not ich weiß….

in der Nähe und in der Ferne…

 

Du stirbst draußen vor dem Tor

und du stirbst mitten in der Welt, Jesus.

So lebst du vor, was wirklich trägt und hält.

Diese Zeit will uns auf unsere eigene Not zurückwerfen.

Lass uns trotz allem die vielen Orte des Leidens auf dieser Welt nicht vergessen.

Wir erkennen, was wirklich trägt und hält, uns und andere.

Lass uns das nicht vergessen.

Erhalte uns bei dir, was immer kommen mag.

 

Vaterunser im Himmel….       Amen

 

Pfarrer Christof Henzler                  0151-25621756, christof.henzler@elkb.de

Pfarrerin Doris Schirmer-Henzler  0160-99895301, doris.schirmer-henzler@elkb.de

Pfarrerin Kerstin Kowalski               0176-56756271, kerstin.kowalski @elkb.de

Pfarramt, Pestalozzistr.27, 96052 BA, 0951-31257 pfarramt.auferstehung.be@elkb.de

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