Andacht - 27.05.2020

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O komm, du Geist der Wahrheit,
und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer,
rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher getreuer
den Herrn bekennen kann.

O du, den unser größter
Regent uns zugesagt:
komm zu uns, werter Tröster,
und mach uns unverzagt.
Gib uns in dieser schlaffen
und glaubensarmen Zeit
die scharf geschliffnen Waffen
der ersten Christenheit.

Unglaub und Torheit brüsten
sich frecher jetzt als je;
darum musst du uns rüsten
mit Waffen aus der Höh.
Du musst uns Kraft verleihen,
Geduld und Glaubenstreu
und musst uns ganz befreien
von aller Menschenscheu.

Es gilt ein frei Geständnis
in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis
bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben,
trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben
das Evangelium.

In aller Heiden Lande
erschallt dein kräftig Wort,
sie werfen Satans Bande
und ihre Götzen fort;
von allen Seiten kommen
sie in das Reich herein;
ach soll es uns genommen,
für uns verschlossen sein?

O wahrlich, wir verdienen
solch strenges Strafgericht;
uns ist das Licht erschienen,
allein wir glauben nicht.
Ach lasset uns gebeugter
um Gottes Gnade flehn,
daß er bei uns den Leuchter
des Wortes lasse stehn.

Du Heilger Geist, bereite
ein Pfingstfest nah und fern;
mit deiner Kraft begleite
das Zeugnis von dem Herrn.
O öffne du die Herzen
der Welt und uns den Mund,
daß wir in Freud und Schmerzen
das Heil ihr machen kund.

 

 

Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Mit diesem Sprichwort wird umschrieben, was für uns Alltag ist: dass die Wahrheit nicht immer gerne ausgesprochen wird. Weil man dmait jemanden verletzen könnte. Weil ich vielleicht einen Nachteil davon trage, wenn ich die Wahrheit sage. Weil sie andere, unangenehme Geschichten ans Tageslicht bringt, über die man lieber nicht spricht.

Die Wahrheit – mit der ist es doch kompliziert. Sie ist ja durchaus auch nicht immer eindeutig: wie viele Paare sind der Meinung, jeder von beiden wüsste die Wahrheit über ihre Beziehung.....

Und dann wünscht sich hier jemand den Geist der Wahrheit: mit klaren Worten, ohne Trug und Schein, das freie Geständnis.Man stelle sich das vor: auf einmal würden alle in Wirtschaft und Politik die Wahrheit sagen. Oder eben in jeder Familie. In der eigenen Familie.

Ja, wir verwenden gerne Notlügen, kleine Ausreden – manchmal auch große, damit kann man sich das Leben wirklich leichter machen. Und es schadet ja auch nicht. Erstmal. Manchmal dann doch: wenn sich kleine Lügen über die Jahre aufbauen zu einer Mauer zwischen Menschen, man nicht mehr miteinander sprechen kann, weil überall diese kleinen Lügen sind, die man nicht aufdecken möchte.

Zunächst ist dieses Lied ein Wunsch, doch, wenn wir es ernst nehmen, wird es zu einer Herausforderung. Überdenke, was du sagst, bedenke die Folgen! Für Gott ist die Wahrheit jeder Lüge vorzuziehen, jeder Schwindelei, denn nur die Wahrheit macht es uns möglich, dass wir uns echt begegnen. Selbst, wenn unsere Wahrheiten ganz unterschiedlich sind. Nur, wenn wir uns ehrlich sagen können, was wir denken, fühlen und erleben, können andere uns auch ehrlich begegnen.

Da hören Sie jetzt viel Arbeit? Vielleicht provoziert Sie das auch? „Ich lüge doch nicht!“ Doch, wir alle lügen, reden an der Wahrheit vorbei, um uns und auch anderen das Leben angenehmer zu machen.  Pfingsten feiern wir den Geist Gottes: sein befreiendes, belebendes Feuer, das uns die Kraft geben will um anderen zu begegnen.

 


Klaus M. Kowalski, Freie Improvisation über  O komm du Geist der Wahrheit  (EG 136)

Hill & Son-Orgel der Holy name church, Manchester UK 

 


 

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