Andacht - 24.05.2020

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Gedanken zum Sonntag Exaudi – Herr, Höre meine Stimme, 24.5.2020, Pfrin. Kerstin Kowalski

Jer 31, 31-34

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Wir können uns über viele Dinge beklagen in diesem Jahr – aber nicht darüber, dass eine immer gleiche Alltagsroutine unser Leben langweilig macht. So abwechslungsreich wie zur Zeit haben wir, glaube ich, schon lange nicht mehr gelebt. Es ist schon sehr viel Neues in diesen Monaten bisher gewesen. Viele Menschen mussten sich nahezu neu erfinden, weil ihr ganzes Leben von einem Tag auf den anderen ganz anders aussah. Und jeder von uns musste Abschied nehmen von den gewohnten Abläufen, weil Geschäfte, Praxen, Cafes auf einmal geschlossen wurden – und es blieb ziemlich viel Zeit übrig für den Tag.

Vielleicht ist das die größte Herausforderung gewesen: die Zeit muss neu aufgeteilt werden, neue Rhythmen finden, einen neuen Alltag aufbauen, den Tag neu strukturieren und freie Zeit nutzen lernen. Nach einem Leben mit guten Routinen ist das mühsam, das haben wir gespürt.

Und mitten rein in dieses neu Sortieren, in die Suche nach einer neuen Ordnung, in das Tasten zwischen Verordnungen und Lockerungen – schickt uns Gott heute ein Angebot.

In eine Zeit, in der wir uns selbst neu sortieren und neu finden, kommt Gott und bietet uns seinen Bund an, seine Verbundenheit, seinen Beitrag zu unserem Leben. Die viele freie Zeit hat schon was, denn auf einmal lässt es sich nachdenken, nachfragen, suchen nach dem, was meine Welt im Innersten zusammenhält. Ich erlebe viele Menschen, die seit März ihren Glaubensweg neu gegangen sind, mit neuen Fragen, und auch mit neuen Antworten, mit Gewissheiten, die sie neu gewonnen und mit Bedenken, die sie aufgelöst oder neu formuliert haben. Wir haben jetzt auch Zeit, unseren Glauben zu betrachten: wie steht es um den so derzeit? Ist er eine feste Burg, die unsere Seele vor den Härten und Wirren des Lebens schützt? Oder eher eine wackelige Brücke, der man nicht so trauen kann, weil einfach zu viel ungewiss ist? Es geht hier nicht darum, zu werten, sondern, hin zu schauen. Jeder und Jede für sich. In dieses Suchen hinein kommt dann heute dieses Angebot Gottes: ich kann noch was drauflegen, sagt er: ich hab noch was für euch. Es gibt mehr, als meine Gesetze und Regeln, die euch das Leben leichter machen sollen. Ich biete euch an, in eure Herzen zu kommen. Ich komme mitten hinein in dein Leben, in deine Welt, in das, was du von dieser Welt siehst, hörst und fühlst. Gottes Angebot: ich möchte in deinem Herzen wohnen. Damit niemand mehr mich suchen muss, sich quälen und fordern – denn ich bin schon da.

Wenn wir jetzt Zeit haben, können dir eigentlich das tun, was Gott auch tut: er geht immer noch einen Schritt weiter auf seine Menschen zu: nach Erschaffung und Begleitung, nach Kampf um sein Volk und vielen Jahren mit Enttäuschung und Frust dreht er nicht um und sucht sich was anderes. Er geht mitten rein in das, was er nicht kontrollieren kann, in seine Menschen und setzt sich dem Glauben jedes einzelnen aus. Das kann gut gehen – das kann aber auch sehr schief gehen, und viele neue Enttäuschungen bergen, Es wird wohl auch viele weitere Kämpfe um Herzen und Seelen für Gott bedeuten. Doch er geht immer noch einen Schritt weiter.

Vielleicht schaffen wir das auch, gerade jetzt:

einen Schritt weiter zu gehen auf Gott zu: einen Schritt weiter in dem Vertrauen, dass er gerade in diesen Zeiten mit uns durch jeden Tag geht

einen Schritt weiter in den Versuchen, im Gebet mit ihm in Kontakt zu kommen, ihm von mir selbst erzählen und seine Antwort spüren zu können

einen Schritt weiter in der Erfahrung, gesegnet zu sein: dass wir das Wohl und den Frieden Gottes schon in uns tragen, auch, wenn wir noch gar nichts dafür getan haben.

Es ist ein Bund, den Gott sich wünscht: er und wir, ich und er, jeder einzelne von uns ist angesprochen. Und es ist ein Bund ohne Termindruck und ohne Verfallsdatum: wir haben Zeit.

Einen Schritt weiter gehen – langweilig wird es sicher nicht. Amen.

 

Psalm 27 – Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe!

 1 Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?7 HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir! 8 Mein Herz hält dir vor dein Wort: / »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz. 9 Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht! Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils! 10 Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf. 11 HERR, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen. 12 Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde! Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht. 13 Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen. 14 Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

 


Klaus M. Kowalski,  Meditatio I  (2020)

Hill & Son-Orgel der Holy name church, Manchester UK


 

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