Andacht - 18.07.2021

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1. Könige 17,1-16 Gott ist mein Dauergastgeber

Liebe Gemeinde, heute habe ich ihnen eine israelitische Zeitschrift mitgebracht, aus der Zeit als Ahab, der Sohn Omris, König über Israel war und zu Samaria regierte. Titelstory: Elia, der gesuchte Unheilverkünder und Verursacher der Dürre, ist wieder aufgetaucht.

Unser Jungreporter Jakobus, der auf seinem Rennkamel durch das ganze Land reist, um über die neuesten Ereignisse zu berichten, traf Elia in Sarepta zusammen mit einer von der Dürre schwer getroffenen Witwe. Lesen sie das Exklusiv-Interview auf Seite 12.

Hier vor dem Tor der Stadt Sarepta habe ich den gesuchten Elia gestellt. Er unterhält sich gerade mit einer Witwe.

Herr Elia, König Ahab lässt Sie überall suchen. Wo sind Sie gewesen und warum haben Sie eine so schreckliche Dürre über unser ganzes Land gebracht?

Also junger Mann, eines möchte ich von vornherein klarstellen. Ich bin nicht schuld an dieser Dürre. Ich mache hier nur meinen Job. Ich bin Prophet und verkündige Gottes Wort. Ich verkündige es, ich habe keinen Einfluss auf den Regen. Ansonsten flüchtete ich vor Ahabs Zorn und versteckte mich die letzten Wochen am Bach Krit.

Ja, Ahab ist sehr zornig und lässt Sie überall suchen. Warum haben Sie ihr Versteck verlassen?

Weil der Bach Krit durch die Dürre ausgetrocknet ist.

Das heißt, Sie sind jetzt ein Opfer ihrer eigenen Dürre geworden.

Ich wiederhole mich nur ungern, aber ich bin nicht schuld an dieser Dürre! Haben Sie das jetzt aufgeschrieben, ich bin nicht schuld!

Ja, ja ist ja schon gut, aber wer ist dann schuld? Das müssen Sie doch wissen, Sie haben sie schließlich vorhergesagt.

Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, Herr Reporter. Aber ich werde Ihnen erzählen wie es gewesen ist, vielleicht können Sie mir dann sagen wer schuld ist. König Ahab tut was dem Herrn missfällt, mehr als alle Könige, die vor ihm gewesen sind. Er hat Isebel geheiratet und betet mit ihr zusammen zu Baal, dem Götzengott seiner Frau. Er hat für Baal Tempel, Altäre und Götzenbilder gebaut. Gott, der Herr hat ihn durch mich gewarnt. „Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn.“ Doch Ahab hat sich nicht bekehrt, wie so oft vorher. Ich bin es so leid und so müde. Ich wünschte ich wäre kein Prophet.

Ja, also warum soll sich unser König auch bekehren? Schließlich haben wir Religionsfreiheit, bei uns darf jeder anbeten wen oder was er will. Soll sich unser König etwa erpressen lassen! Und dann eine Dürre, was soll das denn? Der König Ahab leidet unter dieser Dürre am allerwenigsten. Es sind die kleinen Leute, wie Sie und ich, die Durst und Hunger leiden. Fragen wir doch mal diese Witwe hier. Wie geht es Ihnen liebe Frau, kommen Sie zurecht?

Ja Herr Jakobus mir geht es schlecht. Gott, der Herr lebt irgendwo, mich und meinen Sohn hat er verlassen. Ich habe nichts mehr, nur noch eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Sehen Sie, ich habe zwei Scheit Holz aufgelesen, jetzt gehe ich heim und bereite mir und meinem Sohn eine letzte Mahlzeit und dann sterben wir, es hat alles keinen Sinn mehr, die Welt ist dunkel geworden, das ist alles sehr sehr traurig.

Sterben, du lieber Himmel, sie wollen sich und ihrem Sohn das Leben nehmen? Da sehen Sie Herr Elija was ihr Gott mit seiner Strafmaßnahme erreicht. Völlig Unschuldige sind verzweifelt und lebensmüde, total depressiv. Liebe Frau Witwe, Sie sollten einen Psychiater aufsuchen und sich behandeln lassen. Und diesen Propheten nehmen Sie am besten gleich mit, er hat einen dicken, fetten BurnOut! Mein lieber Elia, es liegt doch klar auf der Hand, wer schuld ist an diesem ganzen Schlamassel. Natürlich Ihr Gott, der Herr. Er hat doch Ahab den Thron besteigen lassen und schaut zu wie der hier regiert und uns kleine Leute verhungern lässt. Warum lässt ihr Gott, der Herr denn das alles zu und dann schickt er auch noch eine Dürre! Wie könnt ihr einem so ungerechten Gott dienen?

Ich diene ihm, weil er der einzige Gott ist und er ist barmherzig, geduldig und von großer Güte und er liebt uns. Unrecht, Not und herzlose Herrscher gehören zu unserer Welt. In zwei bis drei tausend Jahren werden sie auch noch ihr Unwesen treiben. Ich kann Gottes Tun und Lassen nicht begreifen und ich werde mich hüten Gott zu richten. Er allein weiß was am besten ist. Doch im Moment bin ich wirklich am Ende meiner Kräfte. Ich weiß, Gott, der Herr, liebt uns, aber sein Verhalten ist zurzeit auch für mich nicht akzeptabel.

Nun Herr Prophet, Frau Witwe ich danke für dieses Gespräch. Hoffen wir, dass diese Dürre bald endet

Diese Dürre hat übrigens 3 1/2 Jahre gedauert. Ich denke wir alle können die Situation sehr gut nachempfinden. Der Prophet hat nämlich recht behalten, auch nach 2 1/2 tausend Jahren hat sich nichts verändert. Despoten und Diktatoren schikanieren ihr Volk, Kriege werden geführt, tausende Unschuldige sterben oder sind auf der Flucht. Nach wie vor gibt es Dürren, Überschwemmungen, Wirbelstürme oder andere Naturkatastrophen. Auch im privaten Bereich geschehen tagtäglich Ungerechtigkeiten und schreckliche Dinge. Da gibt es Langzeitarbeitslosigkeit, die Menschen zu Obdachlosen macht und in die Verzweiflung führt. Oder liebe Menschen werden viel zu früh durch Krankheit oder Unfall von unserer Seite gerissen. So was lässt Menschen verzweifeln, sie sehen keinen Ausweg mehr und flüchten sich eventuell in Selbstmordgedanken. Allerdings hat der Jungreporter Jakobus den Ort des Geschehens doch etwas vorschnell verlassen und somit das spektakuläre Wunder verpasst. Vielleicht ist das aber auch gut so, denn sonst hätte die Witwe mit ihrem Mehl und Öl noch ganz Israel versorgen müssen. Gott greift ein und tut ein Wunder. Die Witwe erfährt, dass sie nicht von Gott verlassen ist, dass er ihr hilft, obwohl sie längst alle Hoffnung aufgegeben hat. Und Elija erkennt, wie mächtig Gott sein Herr ist und schöpft wieder neue Kraft für sein Amt. Alle Furcht fällt von ihm ab, denn sein Gott ist mächtiger als der König Ahab oder sonst irgendjemand. Elija versteht Gottes Handlungsweise nach wie vor nicht, genauso wenig wie ich sie begreifen und erklären kann. Aber Elija verlässt sich auf Gott, er glaubt fest daran, dass Gott in seiner Allmacht das Richtige tut. Irgendwann wird alles einen Sinn ergeben und zu einem Ziel führen.

Und wie ist das heute nach 21/2 tausend Jahren, tut Gott da auch noch Wunder? Ich persönlich denke ja, sie geschehen wie damals im Verborgenen. Auf jeden Fall habe ich am eigenen Leib erfahren, dass Gott Hilfe schickt in der Not. Auch wenn diese Hilfe meine Wünsche nicht erfüllt und ich das Leid tragen muss, ist Gott bei mir. Er hat mich noch nie allein gelassen. Da fallen mir andere Zeilen ein, ich habe sie als Konfirmandin auswendig gelernt und in dunklen Stunden sind sie mir immer eine große Hilfe gewesen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Sicher kennen die meisten von ihnen diese Zeilen, sie stammen aus dem Psalm 23, Der Herr ist mein Hirte. Ich möchte den Psalm 23 zum Abschluss der Predigt in einer sehr modernen Form aus der Volxbibel lesen. Die Volxbibel ist in der Jugendsprache geschrieben und für unsere Ohren ungewohnt. Aber vielleicht bieten sich bei diesem bekannten Text neue Aspekte, die zum Nachdenken anregen.

Gott ist mein Dauergastgeber

1 Gott höchstpersönlich ist mein Dauergastgeber, der mich nonstop erfüllt, denn seine Power ist unfehlbar. 2 Er bringt mich zu einer All-you-can-eat-Bar mit allem, was mein Herz begehrt und liebt. 3 Darauf folgt ’ne lange Ruhepause im Chillout-Raum. Somit kann ich erfrischt und gestärkt zu ihm aufschauen. Er allein zeigt mir, wie ich mit Qualität leb en kann. Letztlich geht es um ihn, wie ich seinen Namen ehren kann. 4 Und wenn ich mal keinen Ausweg sehe, mich die Depression packt wie ’ne dunkle Wolke, hab ich dennoch keine Angst. Denn ganz egal, wie verfahren die Situation auch ist, vertrau ich ihm, weil er mich sicher wieder herauszieht. Und die Krönung ist, er setzt sogar noch einen drauf: 5 Er bereitet vor mir ein Buffet, so lang wie ’n Reihenhaus und das, obwohl alles um mich herum nach Kampf aussieht. Er spricht ’nen Toast auf mich aus, weil er mich nie aufgibt. Es kommt noch besser, er rollt den roten Teppich vor mir aus, 6 er ehrt mich, denn ich nehme Anteil an seinem Haus. Mein Leben lang gibt er mir Gutes und hält nie was zurück. Nur bei ihm bin ich zu Hause, in jedem Augenblick! Ein Psalm von David, explosiver als organisches Peroxid. Amen.

Bleiben Sie behütet!

Ihre Sabine Greiner-Fuchs (Prädikantin der Auferstehungsgemeinde)

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