Andacht - 16.05.2021

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16.05.2021 - Exaudi

Johannes, 7. Kapitel

37 Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! 38 Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. 39 Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Liebe Gemeinde,

Mein Mann und ich sehen uns gern mal alte Westernfilme im Fernsehen an. Im wilden Westen gibt es viele Wüsten, wie z.B. das Death Valley oder die große Sonora Wüste, die sich halb über Mexiko und halb über Kalifornien erstreckt. Manchmal muss einer der Cowboys eine solche Wüste durchqueren. Und in aller Regel geht ihm mitten in der Wüste das Wasser aus, entweder weil er zu wenig dabeihat oder weil seine Wasserflasche ein Loch hat. Dann steht er da, halb am Verdursten und wringt seinen Wasserbeutel aus, in der Hoffnung noch ein Tröpfchen heraus zu pressen. Dieses Bild habe ich vor Augen, wenn ich an Durst denke.

Ich selbst habe solchen Durst noch nie erlebt. Zwar ist uns bei Wanderungen schon mal das Wasser ausgegangen und es war weit und breit kein Wirtshaus zu finden, aber so richtig am Verdursten bin ich deshalb nicht gewesen.

Der Mensch kann längere Zeit ohne Essen, aber nur etwa 3 Tage ohne Wasser überleben. Wasser ist absolut Lebens notwendig. Es unterliegt auf unserer Erde einem Kreislauf. Wasser sprudelt aus Quellen, sammelt sich in Bächen und Flüssen, fließt zum Meer, verdunstet, steigt in den Himmel, bildet Wolken und regnet wieder herab.

Jesus verwendet Wasser in unserem heutigen Predigtwort als Symbol für den Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist derjenige Teil unseres dreieinigen Gottes, den wir am schwersten begreifen können. Gott, der Vater und Gott, der Sohn, ja, die sind uns vertraut, da haben wir ein Bild vor Augen, und an diese beiden richten sich in der Regel unsere Gebete.

Für den Heiligen Geist gibt es in der Bibel verschiedene Bilder. Bei Jesu Taufe kommt der Heilige Geist als Taube vom Himmel herab. Die Apostelgeschichte spricht während des Pfingstwunders von Feuerzungen auf den Köpfen der Apostel und von einem Brausen, wie von einem gewaltigen Sturm. Hier in unserem Predigtwort verwendet Jesus Wasser, um den Heiligen Geist zu beschreiben. Ein sehr treffender Vergleich, wie ich finde, der Heilige Geist als Lebensspender.

Im Evangelium, das wir vorhin gehört haben, wurde das Wort Tröster verwendet. Das heißt der Heilige Geist tut etwas mit uns, er tröstet uns in der Not, hilft uns, lässt uns Gottes Nähe spüren, z.B. im Heiligen Abendmahl, und der Geist bewirkt den
Glauben.

Wenn Jesus sagt, wen da dürstet, dann spricht er vom Durst nach Glauben, vom Durst nach Gottes Nähe, von dem Durst nach dem Sinn des Lebens. „Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.“ So heißt es in dem Lied von Anne Quigley, dass wir gerade gelesen haben.

Ich bin in eine gläubige Familie hinein geboren und christlich aufgewachsen. Es gab Zweifel in meinem Leben, doch verloren habe ich meinen Glauben nie. Wenn ich mir aber vorstelle, ich müsste mein Leben ohne meinen Glauben, ohne Gottes Hilfe meistern, dann ist es wieder da, das Bild von dem Cowboy in der Wüste. Wie soll ich die Wüsten meines Lebens, wie soll ich die Durststrecken meines Lebens bewältigen ohne Gottes Nähe und Hilfe, ohne den Zuspruch des Heiligen Geistes?

In einer dieser Wüsten sind wir gerade alle unterwegs mit Abstand und mit FFP2Maske.

Ich spreche von der Corona- Pandemie. Über ein Jahr hält uns das Virus mit samt seinen Mutationen nun schon in Schach. Die Durststrecke wird immer länger. Viele Alleinstehende leiden sehr unter der Einsamkeit, die die Kontaktbeschränkung mit sich bringt. Künstler, Gastwirte und Geschäftsleute haben seit Monaten Einkommensverluste, die sie um ihre Existenz fürchten lassen. Eltern plagen sich mit Homeschooling in kleinen Wohnungen, eventuell mit nur einem Handy ausgestattet. Sie fürchten um die Zukunft ihrer Kinder, die in ihrer Entwicklung ausgebremst werden. Und über allem schwebt die Angst sich zu infizieren und eventuell an der Krankheit zu sterben. Dabei darf ich mich nicht beschweren, mein Mann und ich sind zu zweit, wohnen in einem Haus mit Garten und haben das schöne Ellertal vor der Tür. Auch können wir beide arbeiten, unsere Kinder sind erwachsen und wir haben wir bis jetzt keinen Angehörigen durch COVID 19 verloren. Trotzdem wäre ich ohne meinen Glauben, ohne Gottes Nähe und Hilfe in dieser Situation wahrscheinlich am Verzweifeln, am Verdursten so wie der Cowboy in der Wüste.

Jesus Christus spricht: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!

Gottes Liebe ist für jedermann frei verfügbar, doch zwei Dinge müssen wir tun, wenn wir unseren Durst stillen wollen. Zu Jesus kommen und trinken. Die meisten von uns sind wie ich das erste Mal bei ihrer Taufe gekommen und haben getrunken.

In der Taufe ist das Taufwasser ganz konkret Symbol für den Heiligen Geist, der uns mit Gott verbindet. Die Taufe ist ein Leben lang gültig, doch es reicht nicht aus, einmal im Leben zu kommen und zu trinken. Darüber hinaus brauchen wir immer wieder frisches Wasser für unseren Glauben. So bekräftigen wir in der Konfirmation als mündige Christen unsere Taufe. Frisches Wasser finde ich z.B. in der Natur beim Bestaunen von Gottes Schöpfung, beim Beten, beim Lesen der Bibel oder wenn ich hier im Gottesdienst bin, Gottes Wort höre und wir zusammen Abendmahl feiern. Der Kontakt mit anderen Christen stärkt meinen Glauben.

Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, Ströme lebendigen Wassers fließen, sagt Jesus.

Dabei denke ich an einen großen Brunnen, pyramidenförmig sind lauter Schalen übereinander angeordnet, so ähnlich wie bei einer Sektpyramide, nur viel, viel größer.

Oben wird das Wasser in die höchste Schale gegossen, bis sie voll ist und überläuft. Dann fließt das Wasser in die Schalen darunter und so weiter bis es unten ankommt und sich dann über den Boden verteilt. Jeder von uns kann so eine Schale sein, gefüllt mit Heiligem Geist, der überläuft. Jeder von uns kann Vorbild und Quelle sein für Menschen, die auf der Suche sind, die dürsten nach Gottes Liebe. Das Wasser verbindet alle Schalen, so wie der Heilige Geist uns Christen verbindet, in unseren Familien, hier in der Auferstehungsgemeinde, in unserem Dekanat und in unserer Kirche. Ja er verbindet uns weltweit mit allen Christen, egal zu welcher Konfession sie gehören.

Ich vertraue auf Gott, Gott, den Vater, Gott, den Sohn und Gott, den Heiligen Geist. In den Wüsten und auf den Durststrecken meines Lebens kann ich immer kommen und trinken. Meine Wasserflasche wird niemals leer, selbst wenn sie ein Loch hat. Gott lässt uns nicht im Stich, er ist an unserer Seite und führt uns durch diese Pandemie. Irgendwann wird sie zu Ende sein und wir werden wieder zusammen Feste feiern können.

Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Dieser Satz gilt seit unserer Taufe. Vielleicht nehmen wir uns ein Beispiel an Martin Luther, der von sich selbst gesagt hat:

„Ich krieche jeden Tag neu in meine Taufe!“

Amen.

Bleiben Sie behütet.

                         Ihre Sabine Greiner-Fuchs

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