Andacht - 11.07.2021

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11. 07.2021 6. Sonntag n. Trinitatis Matthäus 28,16-20

„Christ bin ich geworden und geblieben durch andere Menschen,

in deren Freundschaft mir die Menschenfreundlichkeit Gottes begegnet ist. Christ bin ich geworden und geblieben durch andere Menschen, deren entschiedenes Engagement mir die Augen geöffnet hat für das Engagement Jesu.“ (Kurt Marti: Lachen – Weinen – Lieben. Ermutigungen zum Leben S. 88) so schreibt der Pfarrer und Dichter Kurt Marti. Und dann schreibt er darüber, welche Menschen für Ihn wichtig waren, Christ zu werden und Christ zu bleiben.

Überlegen Sie! Welche Menschen waren Ihnen wichtig! Eltern, Großeltern, Patin und Pate. Dass Sie getauft wurden, dass Sie Geschichten der Bibel gehört haben. Gebete und Lieder gelernt haben, das kam ja nicht von ungefähr, da gab es Menschen, denen es wichtig war, dass Sie als Kinder und Jugendliche in die evangelische Kirche hineinwachsen, dass Sie den Konfirmandenunterricht besuchen und konfirmiert werden.

Und wenn Erinnerungen wach werden, an diese Zeit des Heranwachsens im Glauben, dann kommen sofort auch die betrüblichen Erinnerungen. Eltern und Familien, die es schwer hatten miteinander, wo es Not gab, Streit, Lieblosigkeiten, Und wenn Religionslehrer und Pfarrer ihr Amt ausgenutzt haben zu Demütigungen, Strafen, Ungerechtigkeit, dann haftet das lange!

Im Predigttext für den heutigen Sonntag hören wir davon, wie Jesus den Auftrag gegeben hat, das Evangelium weiterzugeben, zu Menschen aller Völker.

Jesu Auftrag zur Taufe: Matthäus 28,16-20 Die Elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Durch die Taufe gehören wir zu der einen Kirche Jesus Christi. Durch alle Zeiten hindurch, über Grenzen von Ländern, Sprachen und Konfessionen.

Genügt die Taufe, dieses Ritual, in manchen Kirchen werden die Menschen ganz untergetaucht, ganz ins Wasser der Taufe getaucht, in erleben diesen Neuanfang am ganzen Körper? So wie Jesus durch Johannes den Täufer im Jordan getauft wurde, er wurde ganz untergetaucht. Und dann hörte er Gottes Zusage über seinem Leben: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!

Genügt die Taufe, wie wir sie in unseren Gemeinden praktizieren, in der der Täufling dreimal mit Wasser übergossen wird? Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Die Taufformel ist das kürzeste Glaubensbekenntnis! Und so gehören Taufe und Glaube immer zusammen. So sagte es ja auch Jesus in seinem Auftrag:

In der Lutherübersetzung hieß es früher: Machet zu Jüngern alle Völker. In der Kirchengeschichte hat es auch einen Missbrauch dieses Auftrages gegeben. Menschen anderer Religionen mussten sich taufen lassen, sonst wären sie ihres Lebens nicht mehr sicher gewesen. Ja, es hat Zwangstaufen gegeben. Die Kirchen haben in der Zeit Kolonialisierung und der Mission große Schuld auf sich geladen. Ich denke das ist das wichtigste, ich kann nur einladen, ich darf niemanden zwingen.

Ich möchte den Auftrag zur Taufe noch einmal in der Übersetzung der Basisbibel lesen: 19 Geht nun hin zu allen Völkern und ladet die Menschen ein, meine Jünger und Jüngerinnen zu werden. Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes ! 20 Und lehrt sie, alles zu tun, was ist euch geboten habe!

Die Taufe allein genügt, ja Und gleichzeitig gehört zum christlichen Glauben dazu, von Jesus zu lernen, von seinem Leben und von seiner Botschaft, wie sie in den biblischen Büchern überliefert ist.

Wir reden hier von der sogenannten Bringschuld der Kirche. In den urchristlichen Gemeinden wurde Erwachsene getauft. Und natürlich haben sie vor ihrer Taufe etwas erfahren davon, was von Jesus erzählt und überliefert wurde. Wir taufen kleine Kinder, da erleben wir, dass ein Mensch bei Gott willkommen ist, ganz ohne Vorbedingungen. Darum werden bei jeder Kindertaufe Eltern und Paten danach gefragt, ob sie bereit sind, ihrem Kind bzw. ihrem Patenkind zu helfen, den christlichen Glauben kennenzulernen.

Deshalb werden Kinder und Jugendliche in der Familie, im Kindergarten, im Kindergottesdienst, im Religionsunterricht in der Schule mit der Botschaft der Bibel vertraut gemacht.

Glauben lernen ist aber nicht allein Wissen, das weitergegeben und gelernt werden muss. Glauben lernen ist Hineinwachsen in eine Hoffnung und Gewissheit: Jesus sagt: Siehe, ich bin bei Euch alle Tage. Vielmehr: Gott begleitet uns in guten und in schlechten Zeiten.

Die frühere Ratsvorsitzende der EKD und Hannoversche Bischöfin Margot Käßmann schreibt in ihrem Buch „Was ich dir mitgeben möchte! S. 30

Um zu verstehen, wie Gott uns begleitet, „ist mir Jesus Christus besonders wichtig. Er hat uns ja gezeigt, wie Gott die Menschen liebt. Dazu gibt es in der Bibel wunderbare Geschichten, etwa die vom verlorenen Sohn (Lukas 15,21ff). Diese Geschichten zeigen, dass Gott uns immer wieder mit offenen Armen aufnehmen will, auch wenn wir auf Abwege geraten sind. Jesus ist für uns der Weg zu Gott. In ihm erkennen wir, wie Gott ist: der liebende Vater, der den Sohn wiederaufnimmt, die Frau, die den verlorenen Groschen sucht, der Weinbergbesitzer, der allen gegenüber gleichermaßen großzügig ist.“

Manchmal kann ein Mensch nicht glauben, was er in Religionsunterricht und Kirche hört. Ich denke der Zweifel gehört zum Glauben dazu. Ein Leben lang lernen wir Glauben und Vertrauen. Und es gibt da gerade die Durststrecken und Wüstenzeiten des Glaubens. Vielleicht haben Sie auch solche Zeiten durchleben müssen, Lebenskrisen und Glaubenskrisen. – Auch in unserem Abschnitt kommen die Zweifel vor, ausgerechnet bei den Jüngern, die doch den Auftrag Jesus ausführen sollen. Für viele Menschen, ist die Krise, die wir gerade erleben auch eine Krise für ihren Glauben.

Das ist vielleicht das wichtigste an diesem Auftrag: Jesus läßt uns nicht alleine damit. Der Auftrag ist von zwei Zusagen Jesu gerahmt: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. (Matthäus 28,18b) Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus 28,20b)

Unter dieser Zusage dürfen wir unseren Lebens- und Glaubensweg gehen. Und unter dieser Zusage Jesu dürfen wir in seinem Auftrag weitergeben, was uns erfüllt, unser Suchen und Fragen nach dem Glauben, und worin wir gewiss geworden sind. Vielleicht fallen ihnen Menschen ein, denen Sie Glauben weitergegeben haben, die durch Sie Christ geworden sind; Ihre Kinder und Enkelkinder und Patenkinder, Schülerinnen und Schüler, Menschen, für die Sie sich eingesetzt haben.

So werden wir anderen zu Botschaftern und andere werden durch uns den christlichen Glauben kennenlernen und daraus Kraft schöpfen für ihr Leben! Vieleicht sagen Sie mit Kurt Marti dann: Christ bin ic h geworden und geblieben durch andere Menschen.

Ich bin getauft. (Text nach EG 809) Ich bin unterwegs mit allen, die zum Volk Gottes gehören. Ich glaube, dass Gott mich zu einem guten Ziel führt. Ich lebe in der Freiheit, die er mir schenkt. Ich bekenne mich zur Gemeinschaft aller Getauften. Deshalb will ich suchen, was Frieden schafft, tun, was der Gerechtigkeit dient, wählen, was Leben fördert. Ich weiß, wie schwer es mir fällt, dieses durchzuhalten. Darum bin ich froh, dass Gott mir vergibt. Er gebe mir zum Wollen auch das Vollbringen. Amen.

Bleiben Sie behütet!

Ihre Pfarrerin Doris Schirmer-Henzler

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