Andacht - 10.05.2020

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Evangelium für den Sonntag Kantate: Lukas 19, 37-40

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, 38 und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! 39 Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! 40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Seit diesem Sonntag dürfen wir wieder Gottesdienste feiern in unseren Kirchen. Doch - ist das überhaupt Gottesdienst? Mit Mundschutz, Personenbegrenzung, Sicherheitsteam?

Solche Entscheidungen sind nicht einfach – und irgendwie sind sie immer auch falsch.

Weise deine Jünger zurecht! hört Jesus in unserem Evangelium heute. Die sollen es auch anders machen: bitte keinen Lobgesang! Das dürfen wir übrigens auch nicht im „neuen Gottesdienst“: singen sollte unterlassen werden, es verwedelt die Luft zu stark. Leise sollen die Jünger sein, ihre Gefühle, ihren Glauben bitte nicht herausschreien. Still sollen sie sein, nicht noch mehr Wirbel machen um diesen Mann an Nazareth, der sowieso schon genug Aufsehen erregt.

Wann und warum entsteht eine Gemeinschaft mit Gott? Müssen es zwei oder drei sein, oder reicht vielleicht auch einer? Müssen es Lieder sein? Muss es eine Predigt, ein Pfarrer, ein Abendmahl, ein Altar, ein Kreuz sein?

Vielen sind diese Formen wichtig: ohne Kreuz kann es kein Gebet geben, ohne Lieder fehlt die erlebte Gemeinschaft, ohne Pfarrer geht´s nicht.

Wenn sie schweigen müssen, dann werden die Steine schreien: das ist eine lapidare, kurze, direkte Antwort von Jesus. Sie lässt die Pharisäer wohl sprachlos zurück. Schlagfertig ist das.

Und sehr deutlich: es müssen nicht die Menschen sein, die Gott zu jubeln, die seine Botschaft verkünden – das geht auch ganz anders. Gott ist nicht davon abhängig, dass wir laut über ihn sprechen und alle es hören. Gott muss man nicht anrufen, messbar mit Schallwellen, um zu zeigen, wie wichtig er ist. Gott findet sein Lob, seine Schöpferkraft in allem, was lebt, was es hier auf Erden zu sehen gibt. Und: Gott braucht von uns auch keine Bestätigung, dass es ihn gibt. Gottesdienste, Lobgesang, Halleluja: das ist für uns. Wir brauchen es für uns selbst, damit wir Gott spüren und uns sicher sind: er ist noch da.

Deshalb ist es gut und richtig, jetzt, in diesen Zeiten Gottesdienste zu feiern, und wer sich dazu in der Lage sieht, ist auch willkommen.

So können wir, wenn wir nach Hause gehen, dem Gefühl nachspüren, wie es war, gemeinsam Gott zu erleben. Wir können uns tragen lassen von dem Segen, den wir zugesprochen bekamen und der uns durch die neue Woche trägt.

Nur singen sollen wir nicht, uns das heute, am Sonntag des Singens. Doch: die Steine werden für uns schreien: wenn die ganze Schöpfung ein Lob Gottes ist, dann atmen wir doch den Duft der Blumen mit ein, wenn wir vorbei gehen. Dann hören wir die Vögel singen und sehen ihnen bei ihren Flugkünsten zu, dann nehmen wir uns die Zeit und betrachten eine aufspringende Blütenknospe oder den Fruchtansatz im Apfelbaum

 


Vorspiel & Choral  Großer Gott, wir loben dich (EG 331)

Klaus M. Kowalski, Hill & Son-Orgel der Holy name church, Manchester UK


 

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