Andacht - 08.11.2020

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Auferstehungskirche Bamberg


Gedanken zu

Johannes 15

am 8.11.2020

aus Johannes 15:

„Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. Ich sage hinfort nicht, dass ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt.“

"Gute Nacht, Freunde, es wird Zeit für mich zu geh'n. Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Steh'n." (Reinhard Mey, 1972)

1. Auf dem Sprung. Eigentlich wollte er ja schon gegangen sein. Am Ende des 14. Kapi­tels im Johannesevangelium hatte Jesus ge­sagt: "Steht auf und lasst uns von hier wegge­hen." Manchmal fällt einem ja gerade dann noch etwas Wichtiges ein, auf dem Flur, der eine Arm steckt schon im Mantel, der andere fischt nach den Schlüsseln, da fällt einem ein, was man noch unbedingt hatte sagen wollen. Meistens sagt man ja nur so etwas wie: Hör mal, ich ruf dich an. Oder: Wir bleiben in Verbindung! Manchmal kommt aber gerade im Moment des Abschiednehmens noch etwas ganz Dickes. So auch bei Jesus hier: Wir bleiben in Verbindung, meine Freunde, denn: Ich bin der Weinstock – ihr seid die Reben.

Was das heißt, wird in den folgenden Versen ausgeführt. Wie bei einer Meditation pendeln und kreiseln die Gedanken in diesem Ab­schnitt (Joh 15, 1-17): 8x ist von "Frucht" und "Frucht bringen" die Rede, 9x von "lieben" und "Liebe", und ganze 12x heißt es "bleibt". Bleibt am Weinstock! Bleibt in mir und ich in euch! Bleibt in meiner Liebe! Das ist die Fra­ge: Was bleibt, wenn Jesus geht?

"Wann du gehst, wieder gehst, schau mir noch mal ins Gesicht, sag's mir oder sag es nicht, dreh dich bitte nochmal um und ich seh's in deinem Blick. Lass es Liebe sein, lass es Liebe sein." (Rosenstolz, 2004)

2. Lasst es Liebe sein. Wir bleiben in Verbin­dung, sagt Jesus. Ihr seid meine Freunde, ich habe euch erwählt. Ihr seid meine Jünger und ich habe euch alles gelehrt, wie ich es vom Va­ter gehört habe. Ihr wisst jetzt, wie ihr zu ihm beten könnt. Und was ihr ihn bittet, wird er euch geben. Haltet euch nur an das, was ich euch vorgelebt und aufgetragen habe! Wenn ihr euch daran haltet, dann bleiben wir in Verbindung, dann fließt zwischen uns weiter­hin die Liebe. Wie die Reben den Saft vom Weinstock empfangen, und dadurch Kraft und Stärke erlangen, so empfangt auch ihr weiterhin meine Liebe und könnt dadurch Frucht bringen. Die Liebe, sie ist es, die alles bewirkt, alles durchdringt - und alles umfängt. Sie verbindet uns und hält uns verbunden. Auch wenn wir fern voneinander sind, so sind wir doch nicht getrennt. Ich bin in dir und du bist in mir. Du bleibst in meiner Liebe, und meine Liebe bleibt in dir. Lasst es Liebe sein!

"Und wenn ich geh, dann geht nur ein Teil von mir und gehst Du, bleibt deine Wärme hier. Und wenn ich wein, dann weint nur ein Teil von mir und der andere lacht mit Dir." (Peter Maffay, 1979)

3. Und habt ihr nun auch Traurigkeit. "Und habt ihr nun auch Traurigkeit, so will ich euch doch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen und eure Freude soll niemand von euch nehmen". Das wird Jesus im 16. Kapitel sa­gen. Aber auch hier schon geht es genau da­rum: "Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde" (Vers 11). Der Vers wird leicht über­lesen vor lauter "bleiben" und "lieben". Doch es geht hier um etwas ganz Entscheidendes: Es geht um die Freude, die Freude an Gottes Nähe und Lebensangebot in seiner Thora. Und das ist etwas ganz Besonderes, befreiendes: Unser Verhältnis zu Gott ist nicht Knecht­schaft nach dem Prinzip "Befehl und Gehor­sam", sondern Freundschaft in "Freiheit und Freude". Durch Jesus. Durch Jesus haben auch wir Anteil an dieser höchst jüdischen und höchsten jüdischen Tugend. Durch Jesus wis­sen wir, dass die Welt keine Macht über ihn hat, ja dass selbst der Tod keine Macht über ihn hat. Er lebt. Und auch wir sollen leben. Das sollte Grund genug sein, um nicht traurig zurückzubleiben, sondern fröhlich im Herzen zu bleiben. Trotz aller Trübsal. Trübsal, das sind Dinge, die einen einengen und bedrän­gen, Sorgen, die einen tags verfolgen und nachts nicht schlafen lassen, dunkle Gedan­ken, die einen herabziehen. Jesus will uns Mut machen, dass wir immer wieder neu Kraft finden und fröhlich sind. Auch durch schwere Zeiten hindurch. Trotz all der schlechten Nachrichten. Nicht dass ich falsch verstanden werde: wenn wir Sorgen haben, in der Firma oder in der Familie oder in diesen Corona-Zeiten allemal, wenn es wirklich zum Heulen ist, na klar, dann dürfen wir auch weinen, dann sollten wir es auch. Aber ein Teil von uns, ganz tief drin, (meine Oma hat gesagt: den kleinen Herrn Jesus in uns), den wir mit uns tragen und der in uns lebt, den können wir mit all unseren Tränen ja doch nicht ertränken. Er bleibt in uns und wir in ihm. Ein Lichtstrahl in dunklen Zeiten, ein Lächeln, eine Freude und tiefe Dankbarkeit – trotz oder gerade auch wegen aller Angst und Traurigkeit im Leben. Und so heißt es in einem alten Kirchenlied: „In dir ist Freude in allem Leide. Zu deiner Güte steht unser G'müte, nichts kann uns scheiden. Halleluja.“

Wolfgang Blöcker, Pfr.

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