Andacht - 07.06.2020

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Predigt am Sonntag Trinitatis, 07. Juni 2020
über 4. Mose 6,22-27 – Der aaronitische Segen

Predigttext 4. Mose 6,22-27:
22 Der Herr redete mit Mose und sprach:
23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich:
So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:
24 Der Herr segne dich und behüte dich;
25 der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
26 der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Liebe Gemeinde,

wir sind als Christen verbunden in der Hoffnung, dass Gott durch alle Zeit hindurch Leben schaffen und erhalten will. Dass wir Menschen erfahren dürfen, dass Gott uns nicht loslässt, dass er unsere Wege mitgeht, und uns durch seinen Segen begleitet.

Gerade im Alten Testament, in den sogenannten Vätergeschichten finde ich diese Worte, die Gottes Segen zusprechen:
Sie machen uns deutlich:
Leben ist immer verdanktes Leben.
Segen ist nicht verfügbar, sondern wir Menschen sind die von Gott Beschenkten. Das Leben selbst ist so ein neues, unbekanntes Land, das einem Menschen geschenkt ist.

Den Segen Gottes brauchen wir, wie das tägliche Brot.
Um Gottes Segen bitten wir,
und Gottes Segen dürfen wir zusprechen:

Am Anfang steht diese große Erfahrung Israels, dass Gott mitgeht.
Er überließ sein Volk nicht der Willkür der ägyptischen Siegermächte, nicht den lebensfeindlichen Kräften der Wüste und überlässt Israel auch nicht sich selbst.

Er überlässt die Welt nicht sich selbst, nachdem er sie geschaffen hatte.
Die Erzählung von der Schöpfung endet in jedem Abschnitt mit dem Zuspruch, dass Gott segnete:
Pflanzen und Tiere, das Menschenpaar und als krönenden Abschluss, den siebten Tag, den Sabbat, den Feiertag.
Der Tag des Segens soll allen Kreaturen einen Raum bieten, eine Oase, in der sie sich als Gesegnete an Gott und seiner Schöpfung freuen.

Immer wieder erfuhren Menschen, dass Gott mitgeht und sie nicht gottverlassen ihren Weg gehen müssen.

Abraham folgt dem Ruf Gottes und hört Gottes Zusage:
"Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein"

Den Segen behält er nicht für sich, durch ihn legt sich Gottes Segen auf die Menschen, die ihm anvertraut sind:
Auch der Segen Gottes will geteilt sein.
Menschen können für andere zum Segen werden, und so bleiben sie nicht für sich allein. Es gibt den Segen nicht als Privateigentum.

Gott segne dich und behüte dich!

Der Segen Gottes bleibt eine Gabe und eine Aufgabe, Leben bleibt eine Gnade.

Aus der Tiefe der Erinnerung, der sehr persönlichen, des Gedächtnisses vieler Generationen, der Väter und Mütter des Glaubens, der vielen Orte der Gottesdienste, hier und überall, steigt dieser Segen empor wie Wasser, das als Nebel den Weg zum Himmel findet und wieder als Regen verteilt allen zugutekommt.
So stelle ich mir Gottes Segen allumfassend vor.
Dieser Segen bindet; diese Kraft verbindet, weist über mich selbst, über unsere Gemeinden, und über unsere Welt hinaus.
Ich bin darin nicht mir selbst überlassen, seit Anbeginn der Schöpfung, seit Abraham und Sara ihren Weg mit Gott suchten und gingen; seit dem die Nachfolge Jesu diesen Weg auch uns eröffnet, seitdem ich atmen und beten kann.

Dass gerade das verletzbare, gefährdete Leben von Gott in Schutz genommen wird, wird für mich daran deutlich, dass Jesus die Kinder segnet: „Gott segne dich und behüte dich!“, so spricht Jesus ihnen zu.
Die Kinder sind besonders schutzbedürftig, sind die schwächsten Glieder in einer Gesellschaft.
Für die Kinder nimmt Gott in Jesus Partei, und stellt sie in die Mitte seiner Jünger, in die Mitte seiner Gemeinde.
Kinder brauchen Liebe und Geborgenheit, damit sie wachsen können und sich ihre Kräfte entfalten.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

Der Segen Gottes ist die Kraft, die den inneren Weg als Christin und als Christ fördert.
Wir dürfen unter der Sonne und im Licht Gottes wachsen;
unser Glaube darf sich entfalten, gleich wie brüchig, verletzbar und verwundet er sein mag. Auch das dürfen wir Gott anvertrauen, dass daraus Heil und Heilung erwachse.
Der Segen Gottes am Ende des Gottesdienstes uns zugesprochen, erinnert daran, dass die Liebe Gottes uns wohltut;
- spürbar wohltut in Jesus Christus;
wirksam in der Erfahrung der Lebendigkeit des Heiligen Geistes.

Gott hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Es erinnert uns an das Gesicht Gottes.
Und es ist das freundliche Gesicht Gottes, das uns entgegenleuchtet, seine Güte. Ich bin gemeint.
Der Segen, seine Freundlichkeit, gilt mir.
Dieser Segen ruft eine Erinnerung wach, die vielen von uns vertraut ist, auch wenn wir uns daran so nicht mehr erinnern:
es meint das leuchtende Gesicht, die freundlichen Augen von Mutter oder Vater über dem Kinderbett.
So muss der Segen Gottes sein.
Sein freundliches Gesicht über mein Leben,
seine Güte über meinen Alltag,
sein heilendes Wort in mein Zweifeln.
Gott geht mit, und wo Gott mitgeht, tut dieser gut.
Auch wenn wir uns nicht immer daran erinnern,
auch wenn das Kind-Sein und die Wärme des Anfangs verloren ging.
Auch wenn Sorgenwolken den eigenen Himmel verfinstern.
Das freundliche Gesicht Gottes verbirgt sich dahinter:

Gott segne dich und behüte dich;
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
Gott hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Wir dürfen aus diesem Gottesdienst als Gesegnete Gottes gehen in eine Welt, der Gott sein freundliches Gesicht und seine Güte zeigen möchte.
Und wenn sich das in unseren Gesichtern wiederspiegelt, sind wir gute Botschafterinnen und Botschafter Jesu, die keinen Menschen, keine Kreatur und nicht die Welt verloren und vergessen gibt.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, wird Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren. Amen.

Bleiben Sie behütet!
               Ihre Pfarrerin Doris Schirmer- Henzler


Gott, Ursprung und Ziel allen Lebens,
segne dich, deine Gedanken und dein Tun,
dass dir gelingen möge, was du dir vorgenommen hast,
und behüte dich vor falschen Schritten,
dass du zur rechen Zeit sagen und tun kannst,
was richtig für dich ist.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir
und erhelle dir Zeiten innerer Unsicherheit,
damit du Klarheit gewinnst über das, was du wirklich willst,
und sei dir gnädig, indem sich auch deine Irrtümer
zum Guten hin verwandeln lassen.
Gott erhebe sein Angesicht auf dich
und begabe dich mir Mut und Phantasie,
allen Enttäuschungen zum Trotz
wieder Neues zu wagen,
und gebe dir Frieden in der Erfüllung deiner Träume
und deiner Zeit.
Amen.

 

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