Andacht - 07.02.2021

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07.02.2021

Lukas 8,4-8

Und einiges fiel auf gutes Land. – Das Gleichnis vom Sämann

 

Liebe Gemeinde,

Ruhig und klar, voller Zuv ersicht, so klingen die Worte Jesu nach.

"Und einiges fiel auf gutes Land,

und es ging auf und trug hundertfach Frucht!'

                                                     Foto Henzler

Und die Menschen hören es.

Sie hören diese Worte, sie spüren diese Zuversicht. Das Herz wird weit, die Lasten werden leichter. Frucht, ja, hundertfache Frucht geht auf.

Auch wenn manches vergeblich erscheint. Auch wenn manchmal der Blick wie gebannt ist durch das, was verdorrt.

Ich sehe sie vor mir, die Menschen.

Damals. Die große Menschenmenge, die zu Jesus gekommen ist, Um ihn zu hören. Um seinen Worten zuzuhören.

Vielleicht, um in seinen Worten Gott selbst zu begegnen.

Sie sitzen auf dem staubigen Boden, sie stehen, einzeln oder in Gruppen.

Die Sonne brennt. Sie warten.

Jeder mit seinen Gedanken und Gefühlen. Jede mit ihrer Geschichte, mit ihrer Hoffnung und Verzweiflung.

Sie warten darauf, was dieser Wanderprediger Jesus von Nazareth ihnen zu sagen hat.

So viel hatten sie schon über ihn gehört.

Gutes und Skandalöses.

Wie er einen kranken Knecht geheilt hatte, ja, einen Toten gar ins Leben zurückgebracht.

Wie er sich mit einfachen Leuten abgab, mit Zöllnern und Prostituierten.

Wie er sich gegen starre Regeln gewandt hatte, auch am Sabbat Kranke nicht abwies. Nun wollen sie ihn hören, ihn selbst erleben. Ob er wirklich etwas zu sagen hat, ob er wirklich ein Gottgesandter ist, ein Prophet?

 

Und Jesus, Jesus erzählt ihnen eine kleine Geschichte, ein Gleichnis.‑ Wir lesen es im Lukasevangelium 8,5‑7

5 «Ein Bauer säte auf seinem Feld Getreide aus. Dabei fielen einige Körner auf den Feldweg. Sie wurden zertreten und von den Vögeln aufgepickt.

6 Andere Körner fielen auf felsigen Boden. Sie gingen auf, aber weil es nicht feucht genug war, vertrockneten sie.

7 Einige Samenkörner fielen zwischen die Disteln, in denen die junge Saat bald erstickte.

 

mit wenigen Worten nur erzählt Jesus davon, was sie alle immer wieder spüren und erleben.

Er erzählt von Vergeblichkeit, von Dürre und Versagen.

Ja, so vieles ist vergeblich im Leben.

So oft gibt es Rückschläge. Und all das, was man sich aufgebaut hat, mit viel Mühe, liegt auf einmal am Boden.

Zerbrochen, zertreten, zerstört.

Einer hat den Mut verloren, hat seinen Glauben verloren. Seine Tränen sind versiegt. Versiegt angesichts all der Vergeblichkeit. Und er ist ausgedörrt wie dürres Land.

Eine Frau trägt sie eine schwere Last in sich. Wie Unkraut wachsen Selbstzweifel in ihr und drücken sie nieder.

Nagende Gefühle von Versagen und Schuld begleiten sie, manchmal spitz wie Dornen.

 

In den kurzen Sätzen Jesu, in seinen wenigen Worten finden sie sich wieder, die Menschen um ihn herum.

Ja, so ist es. So geht es zu im Leben.

Wahrlich nicht immer gerecht.

Und oft schmerzhaft und erschütternd.

Schönreden, weg reden kann man das nicht. Jesu Worte, sie nehmen diese Wirklichkeit in den Blick und bleiben doch nicht dabei stehen.

Lukasevangelium 8,8a

8 Die übrigen Körner fielen auf guten Boden. Das Getreide wuchs heran, und brachte hundertfältige Frucht!.

 

Ruhig und klar, voller Zuversicht, so klingen die Worte Jesu nach. Und die Menschen hören es. Sie hören diese Worte, sie spüren diese Zuversicht.

Das Herz wird weit, sie können aufatmen.

Frucht, ja, hundertfache Frucht geht auf.

Auch wenn manches vergeblich erscheint.

Auch wenn manchmal der Blick wie gebannt ist durch das, was verdorrt und zerstört wird.

 

Der Blickwechsel ist es, der mich an dieser Geschichte bewegt.

Leben wir doch in einer Zeit, in der Blicke oft gefangen werden durch Bilder.

Bilder von Vergeblichkeit, von Versagen, von Gewalt oder Schuld.

 

"Und einiges fiel auf gutes Land, und es ging auf und trug hundertfach Frucht!' Die Worte Jesu, ganz ruhig, behutsam korrigieren sie meinen Blick. Mein Blick bleibt nicht länger fixiert auf den Anblick von Vergeblichkeit, Dürre, Versagen und Schuld.

Voller Zuversicht locken mich die Worte Jesu, ihnen zu trauen.

Zu glauben und wieder Hoffnung zu haben gegen den Augenschein.

Hoffnung für mich, für mein Leben.

Hoffnung für die Menschen, mit denen ich lebe. Hoffnung auch für diese Welt.

Die Worte Jesu, so ruhig und voller Zuversicht, sie bringen Weite in meine Wahrnehmung.

Sie lassen mich aufatmen.

 

Doch liegt auch eine Zumutung in ihnen.

Sie muten mir zu, mich zu verändern.

Mich frei zu machen von den Dornen und Verletzungen der Vergangenheit, von den altgewohnten Gefühlen und Gedanken.

Manchmal ein schwerer und langer Weg.

Sie muten mir zu, mich zu öffnen in meiner Trauer und Verzweiflung,

die ungeweinten Tränen aufzuspüren und fließen zu lassen.

Sie muten mir zu, Bildern, die mir begegnen, die mir gezeigt werden, kritisch gegenüber zu stehen.

Mich nicht einfangen zu lassen von dem, was andere für mich auswählen.

Sie muten mir zu, nach Frucht zu suchen und, ja, sie muten mir zu, nach Hoffnung Ausschau zu halten.

Sie muten mir zu, etwas zu tun,
selbst Frucht zu bringen.

Dann und wann. In Geduld.

 

"Und einiges fiel auf gutes Land,
und es ging auf und trug hundertfach Frucht."

 

Ich will mich festhalten an diesen Worten Jesu. Ich will der Zusage trauen, die aus diesen Worten spricht gegen den dreifachen Augenschein.

Und, wie zur Bestätigung, höre ich auf

einmal ein anderes Wort durch Jesu Worte hindurch. Ein Wort, ein Versprechen Gottes, aus alter Zeit (es steht in der alttestamentlichen Lesung für den heutigen Sonntag, bei Jesaja 55,11), das die Worte Jesu hebt und trägt:

„So soll es sein, das Wort, das aus meinem Mund hervorgeht, spricht Gott:

Es wird nicht leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt.

Ihm wird gelingen, wozu ich es sende.“     Bleiben Sie behütet!

      Ihre Pfarrerin Doris Schirmer-Henzler

 

Liederbuch Kommt atmet auf 0165, 2

 

Du hast das Leben allen gegeben, gib uns heute dein gutes Wort. So geht dein Segen auf unsern Wegen, bis die Sonne sinkt, mit uns fort. Du bist der Anfang, dem wir vertrauen, du bist das Ende, auf das wir schauen. Was immer kommen mag, du bist uns nah. Wir aber gehen, von dir gesehen, in dir geborgen durch Nacht und Morgen und singen ewig dir: Halleluja!                         Text:  Jörg Zink

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