Andacht - 05.07.2020

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Gedanken zum 4. n. Trin, 5.7.2020, Pfrin. Kowalski

 

Predigttext: Römer 12, 17-21

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. 18 Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. 19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« 20 Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22). 21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

 

Erinnern Sie sich noch an den Duracell-Hasen? Das war ein Plüschhase, der trommelte. Er trommelte mit anderen Hasen um die Wette, und der Duracell-Hase hielt am längsten durch, wegen seiner Batterie. Weil die eben viel besser war, als alle anderen. Diese Werbung spielte mit vielen Prinzipien, die bis heute in unserer Gesellschaft, auch für uns selbst, als wichtig gelten:

  • länger durchhalten, als alle anderen: das heißt auch: der/die stärkste sein
  • nie Pause machen oder neue Energie tanken können: das heißt: immer leistungsfähig, niemals müde
  • immer das Beste bringen: das heißt auch: immer die höchste Leistung, mehr, schneller, besser als alle anderen.

Bis zum 15. März dieses Jahres funktionierten wir genauso: eingebunden in unser Lebenssystem, in Pflichten gegenüber der Familie, dem Beruf, Freunden, und uns selbst, stehts bemüht, das beste zu geben, keine Fehler zu machen, und – wenn möglich - immer noch einen drauf setzen. Immer noch ein bisschen mehr: wenn es vielleicht uns nicht alle direkt betraf, so war doch unübersehbar, wie sich viele unter Druck setzen ließen von den tollen Bildern auf Instagram oder Facebook: der perfekte Kuchen für den Kindergeburtstag, die total harmonische Familie am Samstag beim Ausflug, der große Freundeskreis beim Sommerfest – kann ich das auch? Mit gehen müssen, auch, wenn das Tempo zu hoch ist, dran bleiben, durchblicken und nichts verpassen: bis vor einigen Monaten drehte sich unsere Welt ziemlich schnell und wir waren mittendrin.

Mittendrin sind wir jetzt auch noch, manches aber ist langsamer geworden. Heute bekommen wir eine Gardinenpredigt von Paulus dazu – ich denke, die passt vielleicht ganz gut, denn sie ermahnt uns: überleg mal, was du tun kannst, damit es nicht wieder so losgeht, wie es aufhörte.

Zwei Gedanken möchte ich betonen von dem, was Paulus da für heute schreibt:

zum einen: gib das, was dich belastet, an Gott ab und überlass es ihm. Wir kennen sie alle, die Menschen, die wir nicht ändern können, an denen wir uns vielleicht schon Jahrzehnte abarbeiten – und dennoch sind sie immer noch verletzend, wollen keine Kritik annehmen, lassen sich nicht helfen. Da kann man immer wieder die gleichen Gespräche führen, aus Fürsorge oder Enttäuschung, weil wir uns mehr erwarten an Zuwendung und Interesse, oder weniger an Einmischen und unnötigen Kommentaren. Doch es tut sich nichts. Wie viel Energie geht da verloren? Wie oft wird getrommelt, und keiner will im Takt mitgehen?

Gib es ab, sagt Paulus: weil da ist einer, der hat mehr Geduld, mehr Empathie, mehr Energie, als du: Gott wird sich dieses Menschen annehmen, wenn du es nicht schaffst. Gott wird diesen Menschen vielleicht dazu bringen können, sich zu ändern, irgendwann, wenn du ihn nicht erreichst. Gib es ab und lass es geschehen: du musst nicht für alle trommeln. Lass es.

Eine gute Übung finde ich, einer Herausforderung: abgeben, was mich überfordert und manchen Menschen Gott anvertrauen dürfen. Wenn ich ihn nicht lieben kann, sage ich: lieb du ihn bitte! - so hat es mir mal eine Kollegin gesagt.

Und das andere: ein klassischer Konfirmandenspruch: lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem! Eine wunderbare Idee. Nicht nur für die Großen. Es geht hier nicht um Krieg, Politik, oder andere große Dinge. Es geht um eine ganz normale Gemeinde, In Rom vielleicht, aber auch in Bamberg, oder sonstwo: was ist das Richtige? Letztendlich? Womit zeigen wir in dieser Welt, dass wir Kinder Gottes sind? Indem wir das Gute tun. Nicht Gutes tun, das kann manchmal auch daneben gehen. Sondern das Gute: das, was jetzt gerade gut ist, in der Situation, in der ich bin, so, wie ich bin und so, wie ich den anderen kenne. Das Gute ist das, was uns ermöglicht, unverletzt und mit gutem Mut weiter zu gehen. Ohne, dass wir enttäuscht sind, frustriert, oder gar wütend. Tu das, was der Moment gerade braucht. Und es ist genug.

Tue das Gute – und den Rest überlasse Gott. Viel vertrauen steht in diesen beiden Ideen. Vielleicht ist das die größte Herausforderung: Gott zutrauen, dass er es lösen wird. Letztendlich finde ich es aber die schönere Möglichkeit, Vertrauen zu lernen und zu üben, als am längsten trommeln zu müssen. Amen.

 


 Josef Renner jun., Trio für Orgel  -  Klaus M. Kowalski an der Hill & Son-Orgel der Holy name church - Manchester (UK) 


 

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