Andacht - 05.04.2021

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05.04.2021

Offenbarung des Johannes 5, 6-14

Das Oster-Lamm

Die Väter und Mütter unserer Auferstehungs­gemeinde haben die Osterbotschaft in den Namen der Kirche aufgenommen, sie haben 1961 das Altarfenster gestalten lassen mit der Geschichte der Emmausjünger, die dem aufer­standenen Christus begegnen - wir haben sie in der Lesung des Evangeliums gehört. Und: sie haben die Osterbotschaft in Stein gemeißelt an der Kirche sicht­bar anbringen lassen! Was ich meine?

Das Oster-Lamm:  Hoch oben im Ostgiebel der Kirche, über dem Altarbild auf einem Sims, das aus dem Natur­steinmauerwerk heraustritt, sitzt es überlebens­groß, mit dem rechten Vorder­lauf hält es die goldene Fahne! Die Lammplastik wurde von der Bildhauerin Winni Bechtel-Kluge, die auch den Taufstein geschaffen hat, gemacht; 1962 wurde sie an ihren heutigen Platz angebracht und geweiht.

Das Opferlamm begegnet uns schon in der hebräischen Bibel, im Propheten Jesaja.

Das Leiden des Gottesknechtes beschreibt er:

„Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.“ (Jesaja 53,7)

Johannes der Täufer nennt Jesus bei seiner Taufe: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! (Joh. 1,29)

Im Johannesevangelium stirbt Jesus am Kreuz, in dem Moment, als die Passalämmer geschlachtet werden.

Im heutigen Predigttext aus der Offenbarung des Johannes steht das Lamm für den auferstandenen Christus, der herrscht durch die Verfolgung und Ohnmacht hindurch! Wir treten in eine Zeit, in der die Gemeinden am Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus angefeindet und verfolgt wurden. Der Seher Johannes war verbannt auf die Insel Patmos, und in seinen Visionen sieht er in allen widrigen Erfahrungen, Folter und Verfolgung die Macht Gottes. Er schreibt über Gottes Kraft, Reichtum, Weisheit Stärke, Ehre und Herrlichkeit:

Hören wir aus der Offenbarung des Johannes 5,6-14: 6 Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Wesen und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande. 7 Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß.  8 Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen von Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen, 9 und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen 10 und hast sie unserm Gott zu einem Königreich und zu Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden. 11 Und ich sah, und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron und um die Wesen und um die Ältesten her, und ihre Zahl war zehntausendmal zehntausend und vieltausendmal tausend;

12 die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. 13 Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!

14 Und die vier Wesen sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.

Es ist ein großes Szenario der Anbetung und Herrschaft, und in der Mitte steht das Lamm, das den auferstandenen Christus symbolisiert.

Wenn Sie das Oratorium „Der Messias“ von Georg Friederich Händel gehört haben oder auch -  wie viele Chorsängerinnen und Chorsänger - mitgesungen haben, dann klingt in Ihnen der vorletzte Chorsatz an, dessen Text aus unserem Abschnitt der Offenbarung genommen ist:

Würdig ist das Lamm, das da starb, und hat versöhnet uns mit Gott durch sein Blut, zu nehmen Stärke, und Reichtum, und Weisheit, und Macht, und Ehre, und Hoheit, und Segen. Alle Gewalt, und Ehr, und Macht, und Lob, und Preis gebühret ihm, der sitzet auf seinem Thron, und also dem Lamm, auf immer und ewig.

In der Musik dieses Chorsatzes zeichnet Händel den Weg Jesu nach, der durch Leiden und Tod gehen musste, wie ein Lamm, das geopfert wurde, um Gott zu versöhnen durch sein Blut. Als der Auferstandene herrscht er auf immer und ewig: Nach diesem Chorsatz folgt der Schlusssatz des Messias-Oratoriums, das Amen, das große Halleluja.

Händel hat mit seinem Oratorium die Jesusgeschichte in großartige Musik gesetzt.

Die Bilder des Sehers Johannes erschließen sich nicht mit dem ersten Hören. Ich würde ja gerne bei dem Seher Johannes nachfragen: Was bedeuten deine Bilder? Was hast Du gesehen? Was bezeugst Du? Was predigst Du den Verfolgten und verängstigten Gemeinden? Und haben die Menschen Deinen Trost spüren und verstehen können? Und wie hören wir heute deine großartigen Visionen?

V. 6: Dann sah ich: Bei dem Thron, umgeben von den vier Wesen und dem Kreis der Ältesten, stand ein Lamm. Es sah aus, als ob es geschlachtet wäre. Es hatte sieben Hörner und sieben Augen. Diese Augen sind die sieben Geister Gottes, die in die ganze Welt gesandt worden sind.

Dem Lamm ist sein Leid anzusehen, seine Verletzungen, aus denen Blut fließt.

Nichts Niedliches! Nichts Harmloses!

Wer ein verletztes Tier findet, und zu helfen versucht, erlebt da seine Hilflosigkeit und Ohnmacht - und Wut, wenn die Verletzungen dem Tier mit Absicht zugefügt worden sind.

“On a wagon bound for market there`s a calf -

- auf einem Wagen liegt ein Kälbchen“ – das

Kälbchen, das auf dem Wagen festgebunden zum Schlächter transportiert wird symbolisiert die Juden des Nazideutschlands, die in Zügen und Wägen zu tausenden in die Gaskammern transportiert und getötet wurden. Der jiddische Komponist Aaron Zeitlin, hatte dabei seine Angehörigen vor Augen, die umgebracht wurden, und klagt Donai – Adonaj – Gott.

Jesus sind seine Wundmale noch anzusehen, als er nach seiner Auferstehung den Jüngern erscheint. Thomas wird die Auferstehung nur glauben können, wenn er seine Finger in die Wunden Jesu legen kann. Die Botschaft von Ostern macht das Leid – auch Jesus Leiden - nicht ungeschehen, macht es erst erträglich.

V. 11: Dann sah ich viele Engel und hörte ihre Stimmen. Sie standen rings um den Thron, die Wesen und die Ältesten. Es waren zehntausend mal zehntausend und tausend mal tausend.

V. 12: Sie riefen mit lauter Stimme: „Dem Lamm, das geschlachtet wurde, steht es zu, die Macht zu bekommen. Dazu auch Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob.“

Jesus Christus, der durch Leiden und Sterben hindurchging wird emporgehoben und sitzt an Gottes Thron. Mit Ostern bricht Gottes neue Herrschaft an: Gottes Reich, das durch Leiden Gewalt überwindet, das durch Gewaltlosigkeit Frieden wirkt, das durch Sanftmut Versöhnung stiftet, das Befreit, indem es sich bindet.

Das ist die Botschaft des Lammes, das ist die Botschaft Jesu, wie wir sie in der Bergpredigt lesen und seinem Leben abspüren können.

Aus der Botschaft der Auferstehung leben Christen in der Hoffnung auf Gottes Reich.

Es hat sicher eine besondere Bedeutung, wenn die Väter und Mütter dieser Kirche den Namen „Auferstehungskirche“ gegeben haben. Und wenn die künstlerische Gestaltung der Kirche selbst die Osterbotschaft verkündet. Ich denke in der Zeit des Kirchenbaus haben viele im Glauben Trost und Hoffnung gesucht: So viel hatten sie verloren, liebe Menschen tötete der Krieg, die Heimat in Schlesien, Ostpreußen, im Sudetenland und all den anderen Orten mussten sie verlassen. Viele hatten seelische und körperliche Verletzungen davongetragen, über die sie nie hinwegkamen.

Ich wünsche mir diesen Mut heute:

Die Botschaft der Auferstehung hineinsprechen in Flüchtlingslager, in Regionen der Erde, die vom Klimawandel hervorgerufen Missernten und Hunger erfahren. Zu den Menschen, die in der Corona-Pandemie ihr Auskommen verloren haben und für sich keine Zukunft sehen können.

13 Und alle Geschöpfe im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sowie auf dem Meer – alles, was in der Welt lebt, hörte ich rufen: „Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sollen Lob und Ehre zuteilwerden. Sie regieren in Herrlichkeit und Macht für immer und ewig.“ Die vier Wesen antworteten: Amen.

Frohe und gesegnete Ostertage!
Bleiben Sie behütet!    
Ihre Pfrn. Doris Schirmer-Henzler

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