Andacht - 03.05.2020

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Andacht zum Sonntag Jubilate, 03. Mai 2020

Johannes 15,1-8

 

Wie man Weinstöcke anbaut und kultiviert, wie man sie zu schneiden hat, damit sie guten Ertrag geben, das wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Wenn Jesus einen Weinstock gebraucht als Bild für Lebenskraft und Wachstum aus den Quellen, dann nimmt er ein Beispiel aus dem Alltag der Menschen in Israel. Jeder wusste etwas davon, wie Weinstöcke angebaut werden.

 

Jesus sagt: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. (Johannes 15,5)

 

Jedes Frühjahr treibt der Weinstock neue Reben. Aus dem trocknen Holz des Weinstocks, der schon Jahrzehnte überdauert hat, treiben kraftvolle Triebe aus und unscheinbare Blüten, die später die Früchte ansetzen, die zu schweren Weintrauben heranreifen. Aus dem Wurzelwerk zieht die Rebe Kraft. Das geht nur, wenn die wasserführenden Bahnen nicht beschädigt sind, wenn die Wurzeln tief in den Boden reichen und wasserführende Schichten finden.

 

Mit dem Bild der Rebe, die aus dem Weinstock Kraft bekommt beschreibt Jesus den Glauben als starke Verbindung, die zur Kraftquelle werden kann.

 

Manchmal sagen mir Menschen, die durch schwere Zeiten gehen mussten: Mein Glaube hat mir Kraft gegeben. Ich wusste vorher nicht, was für eine Stärke und Kraft ich entwickeln würde. Ich weiß auch nicht, wo sie herkam.

Ich weiß nur, dass mich all das verändert hat.

Ich kann mich viel besser in die anderen hineinversetzen, denen es ähnlich geht wie mir, ja ich bin barmherziger geworden.

Und andere erfahren es nicht so. Sie fühlen sich wie abgeschnitten von den Kraftquellen, ausgedörrt, ohne Energie für ihr eigenes Leben zu sorgen und für das der Menschen, die zu ihnen gehören.

 

Manchem geht es vielleicht in dieser Zeit so, die staatlichen Regelungen, die getroffen werden, um Menschen zu schützen vor einer schweren Erkrankung durch das Corona-Virus bestimmen unseren Alltag nun seit Wochen. Keine Gottesdienste in den Kirchen, Trauerfeiern nur eingeschränkt, Konfirmationen und Kommunionsfeiern, Hochzeiten und Taufen verschoben, Familienfeste abgesagt. Und gerade die Kontaktverbote zu Alten, zu Kranken und für Kinder, die Einschränkungen in der eigenen Familie und im Freundeskreis zusammenzukommen belasten.

 

Wir leben in unseren Gemeinden von der Gemeinschaft, die wir erfahren dürfen.

Und der Zusammenhalt in der Familie, über Generationen hinweg, das ist doch das, was unser Leben reich macht, und uns die Kraft gibt, füreinander da zu sein.

Es ist, wie wenn eine Kraftquelle abgeschnitten ist.

Es fehlt die Gemeinschaft, die Geselligkeit.

 

Es ist eine Katastrophe, ja und ich habe großen Respekt vor den Menschen, die Verantwortung tragen in Heimen und Kliniken und in der Politik und die Entscheidungen treffen müssen, die Menschen in ihrer Freiheit einschränken und beschneiden. Jeder einzelne trägt Verantwortung, sich mit seinen Möglichkeine einzubringen. Auch wir als Kirchengemeinde. Was können wir tun?

 

Ich möchte aufmerksam bleiben für das, was die Menschen brauchen. Ich möchte die nicht übersehen, die jetzt besondere Unterstützung und Hilfe brauchen In einem Gespräch, in einer praktischen Unterstützung oder in einer finanziellen Hilfe.

 

Und ich nehme wahr, viele denken so, bieten Hilfe an und setzen kleine Zeichen der Aufmerksamkeit. Menschen grüßen einander auch auf Entfernung. Kinder malen Bilder für alte Menschen, die sie gar nicht kennen.

Menschen bieten ihre Hilfe an, ohne etwas dafür zu erwarten.  

 

Dietrich Bonhoeffer schrieb sein Glaubensbekenntnis in Zeiten großer Gefährdung:

 

„Ich glaube, dass Gott aus allem,

auch aus dem Bösesten,

Gutes entstehen lassen kann und will.

Dafür braucht er Menschen,

die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube,

dass Gott uns in jeder Notlage

so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.

Aber er gibt sie nicht im Voraus,

damit wir uns nicht auf uns selbst,

sondern allein auf ihn verlassen

In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. …“

 

Jesu Wort vom Weinstock ermutigt:

Jesus sagt zu uns heute:  

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.

Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht;

denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen.

 

Bleibt in mir als Reben am Weinstock ‑
Es ist dir eingepflanzt, so tief wie ein Weinstock seine Wurzeln hat ‑ diese Sehnsucht nach Glück, nach dem Sinn des Lebens, und du weißt es doch schon lange:

Wirklich ruhig und glücklich ist dein Herz nur bei Gott.

Du kommst gar nicht von ihm los, vom Halt deines Lebens,
von der Kraft, die er dir gibt.

Nein, sei ehrlich, so wenig wie eine Weinrebe sagen kann:

Ich mache mich los von meinem Weinstock,
so wenig könntest du sagen:

Ich lasse von dir, mein Gott.

Und wenn du fliehst, nach Glück,
nach Gott woanders suchst,
in deinem Herzen nimmst du mich mit.

Und ich werde bei dir bleiben,
dir Halt geben, wenn du dich haltlos fühlst,
dir Energie geben und Kraft zum Leben.

 

So wünsche ich Ihnen und Euch diese Ermutigung aus dem Glauben, die Verbindung zu Jesus, die nicht abreist und heute
und jetzt Kraftquelle für Ihr und Euer Leben bleibt!

 

Ihre Pfrn. Doris Schirmer-Henzler

 

Gebet,

 

Treuer Gott,

immer wieder schenkst du uns neu

neue Tage, neue Verbundenheit, neue Freude

neues Vertrauen und neues Leben.

 

Wir danken dir,

dass du uns reichlich beschenkst

mit deinem Wort und den Gaben deiner Liebe.

Hilf uns, bei dir zu bleiben,

wie du bei uns bleibst, in guten und auch in schweren Zeiten, in der Kraft deines Geistes.

Wir vertrauen auf Jesus, deinen Sohn,

der uns gesagt und gezeigt hat, wer du bist:

der barmherzige Vater, tröstend wie eine Mutter

heute und morgen und in Ewigkeit.

Amen.

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