Andacht - 01.11.2020

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Gedanken zu

Matthäus 5,1-10

am 01.11.2020

 

Die Seligpreisungen

1 Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm.

2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:

3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.

4 Selig sind, die da Leid tragen;
denn sie sollen getröstet werden.

5 Selig sind die Sanftmütigen;
denn sie werden das Erdreich besitzen.

6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

9 Selig sind die Frieden stiften;
denn sie werden Gottes Kinder heißen.

10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

 

Liebe Gemeinde,

Jesus beginnt die Bergpredigt mit Sätzen, die Maßstäbe setzen, andere Maßstäbe als die Gesellschaft seiner Zeit, und andere Maßstäbe, als die Gesellschaften in unserer Zeit.

Selig sind – glücklich gepriesen werden – glücklich sind…:

Die Seligpreisungen bei Matthäus nehmen Menschen in besonderen Lebenssituationen in den Blick, die wir sicher nicht mit dem Glück verbinden:

-       Menschen, die arm sind vor Gott, oder auch geistlich arm genannt werden, die vor Gott nicht zu bieten haben.  

-       Menschen, die Trauer und Leid tragen.

-       Menschen, die verfolgt werden, weil sie Gottes Willen tun.

Und die Seligpreisungen beschreiben Lebenshaltungen, die Jesus selbst uns vorgelebt hat:

-       auf Gewalt verzichten.

-      sich nach Gottes Gerechtigkeit sehnen.

-       barmherzig sein
mit seinen Mitmenschen;

-       ein reines Herz haben

-       Frieden stiften

Jesus setzt andere Maßstäbe.
Es geht ihm um die Menschen.

Um jeden Einzelnen, mit seiner Lebensgeschichte, wie er in seinem Leben die Verbindung zu Gott sucht und lebt.

Genau das schätzte Luther an den Seligpreisungen. Nach dem, was Jesus darin verspricht, hat er sich gesehnt.

Die Seligpreisungen waren für ihn Evangelium pur.

Reine Zusage Gottes.

Göttliches Versprechen eines gelingenden Lebens, wie es sein könnte und sein sollte.

Die Seligpreisungen stehen unter dem Maßstab von Gottes Schalom, darin ist Gottes Reich des Friedens und der Gerechtigkeit schon angebrochen.

Die Seligpreisungen sind Ausrufungen des Himmelreichs. Und das kommt von Gott und von Gott allein. Jesus sieht uns unter der Sonne des Himmelreichs und verlockt uns – noch mit Tränen in den Augen – uns im Licht dieses Himmelreichs neu und tröstlich zu sehen.

Martin Luther hätte deshalb auch an dieser Stelle entdecken können, was er im Römerbrief entdeckt hat: Dass der Mensch gut und gerecht wird allein aus Glauben, ohne des Gesetzes Werke.

Der Mensch, der sein Streben nach dem Himmelreich aufgibt und von Gott alles erwartet; indem er nicht mehr versucht, selbst als gerecht dazustehen und sich ganz in Gottes geöffnete barmherzige Arme wirft: Ihm wird Gottes Reich verheißen. Er wird seliggepriesen. Er ist gerechtfertigt. Nirgends hat der Mensch mehr Würde, denn als von Gott geliebtes und so gerechtfertigtes, wahrhaft menschliches Wesen.

Diese Würde wird uns zugesprochen in der Taufe: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.
Aus der Taufe leben bedeutet einzutreten für diese Würde.

Aus der Taufe leben bedeutet einzutreten für eine menschliche Welt, wie Jesus sie in den Seligpreisungen verheißt. Das reicht hinein bis in das politische und gesellschaftliche Handeln.

Wenn Menschen sich angesprochen wissen von diesem Geschenk der Taufe, dann wird sich das auswirken, bis in die Gesellschaft und Politik hinein.

Und wer in politischer Verantwortung steht, der braucht einen Maßstab, an dem er sich ausrichtet.

Bei Jesus ist es nicht der eigene Profit und das eigene Machtstreben,
sondern der Hunger und Durst nach Gerechtigkeit.
Die Suche nach dem Frieden.

Das Eintreten für gerechte Verhältnisse im Kleinen und im Großen.

Das Eintreten für die Würde der Schwachen und an den Rand der Gesellschaft Gedrängten. Denen eine Stimme geben, die ihre Anliegen nicht selbst vertreten können.

Die Seligpreisungen Jesu sind heilsame Zumutungen an die Politik. Sie sind die Zumutung an alle Christen, für eine menschliche Gesellschaft – für alle – einzutreten: für Gerechtigkeit, für die Würde aller.

Das Geschenk der Taufe, der Gnade und des Glaubens ist ein Angebot.

Jede und jeder, der sein Leben aus dieser Verbindung mit Gott lebt, geht seinen und ihren unverwechselbaren Weg.
Mit seinem Leben und Tun antwortet ein Mensch auf Gottes Angebot.

Über ein Leben zu urteilen steht uns nicht zu.

Über den Glauben eines Menschen und über seine Frömmigkeit zu urteilen, habe ich kein Recht.

Wenn wir heute an die Verstorbenen gedenken, dann verbindet sich mit ihren Namen ihre Lebensgeschichte, wie sie ihr Leben gelebt haben, mit seinen Höhen und Tiefen; wie sie für sich und andere gesorgt haben.

Kein Mensch ist bei Gott vergessen und verloren. Der Zuspruch der Taufe steht über dem ganzen Leben: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, an der ich Wohlgefallen habe!“

Es geht Jesus nicht um Leistung und um gesellschaftliches Ansehen.

Es geht ihm nicht um Strafe, sondern um eine Einladung.

Es geht ihm darum, wie ein Mensch offen ist für Gott und sich von ihm beschenken lässt.

Die Seligpreisungen, diese starken Worte der Zusage von Gottes Reich, steht am Anfang der Bergpredigt. Die Bergpredigt enthält Regeln für das Verhalten der Christen in der Welt:
Von der Feindesliebe, vom Beten, vom Sorgen und Schätze sammeln.
Aber eingeleitet werden diese Lebensregeln durch eine Heilszusage.

Eine Seligpreisung kann ich mir nicht selbst zusprechen.
Weil Gott einer ist, der menschliches Leid zutiefst ernst nimmt, werden wir ermutigt, einzutreten für menschliches Leben.

Gott macht uns frei, so zu handeln, als ob Gerechtigkeit, Friedfertigkeit, Barmherzigkeit und Sanftmut allen Egoismus und alles Machtstreben schon überwunden hätten.

Gottes Heilszusage ist an keine Bedingungen geknüpft, aber sie bindet uns mit hinein, schon hier und heute nach Gottes Maßstäben zu handeln.

Seien Sie behütet,

Ihre Pfarrerin Doris Schirmer-Henzler

 

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